Notfallversorgung

ÄKWL fordert separate Finanzierung

Die Kammer Westfalen-Lippe setzt sich für einen dritten Topf ohne Mengenbegrenzung ein.

Veröffentlicht: 04.07.2017, 08:30 Uhr

MÜNSTER. Die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) macht sich für eine separate Finanzierung der Notfallversorgung stark. Nach der Vorstellung von ÄKWL-Präsident Dr. Theodor Windhorst und seinem Vize Dr. Klaus Reinhardt sollten die Notfall-Leistungen ohne Mengenbegrenzung aus einem eigenen Topf "Ambulant stationäre Versorgung" bezahlt werden.

"Wir brauchen einen dritten Topf", sagte Windhorst. Er sieht dringenden Handlungsbedarf, da die Krankenhaus-Ambulanzen vor dem Kollaps stünden. In dem gemeinsamen Bereich der Notfallversorgung sollte nach seiner Ansicht der Grundsatz ambulant vor stationär gelten. Deshalb sei es wichtig, dass die niedergelassenen Ärzte den Service verbessern und für die Patienten besser erreichbar sind, forderte Windhorst.

Seiner Meinung nach haben viele die Sicherheit verloren, dass ihnen in den Praxen tatsächlich geholfen wird. Der ÄKWL-Präsident plädierte dafür, dass die bundesweite Rufnummer 116 117 rund um die Uhr erreichbar ist, damit Patienten erfahren können, wohin sie sich wenden können.

"Eine komplette Ausbudgetierung der Notfallversorgung halte ich auch deshalb für sinnvoll, weil sich dann die Krankenkassen wieder dafür interessieren würden", so Vizepräsident Reinhardt. "Dann würden sie wieder Verantwortung für die Morbidität übernehmen." Solange die ambulanten Notfallleistungen Teil der gedeckelten Gesamtvergütung seien, sei den Kassen die Entwicklung egal.

Die ÄKWL würde sich gern an der integrierten Organisation des Notfalldienstes beteiligen, sagte er. Für Reinhardt gehört zu einer Neuaufstellung auch die finanzielle Beteiligung der Patienten. "Die Menschen müssen die Folgen ihres Handelns in einem gewissen Umfang wirtschaftlich spüren." Die Eigenbeteiligung dürfe aber niemanden stark belasten, stellte er klar. Windhorst hält nicht davon: "Man sollte nicht versuchen, die Patienten mit Sanktionen zu erziehen, auch nicht mit Geld." (iss)

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