Im Norden

Ärztegenossen ordnen ihre Spitze neu

Designierter Nachfolger von Dr. Klaus Bittmann an der Spitze der Ärztegenossenschaft Nord soll Dr. Svante Gehring werden. Auf der regionalen Ebene sieht Bittmann Ärzte gut aufgestellt.

Von Dirk Schnack Veröffentlicht: 15.06.2015, 09:32 Uhr

RENDSBURG. Mit neuem Personal in der Führungsspitze und massiver Kritik an der KBV machte die Ärztegenossenschaft Nord auf ihrer Generalversammlung aufmerksam.

Neuer zweiter Sprecher und damit designierter Nachfolger von Dr. Klaus Bittmann an der Vorstandsspitze ist nun Dr. Svante Gehring. Der 52-Jährige hausärztliche Internist aus Norderstedt folgt auf den im vergangenen Jahr tödlich verunglückten Dr. Andreas Rinck.

Neu in den Vorstand rückten außerdem der in  Großhansdorf niedergelassene Allgemeinmediziner Dr. Marcus Jünemann und die in der Rendsburger Augenklinik angestellte Anästhesistin Dr. Eefje Barber.

Die Ärztegenossenschaft Nord hat rund 2000 Mitglieder. Gehring strebt unter anderem an, Praxisnachfolger und jüngere Ärzte in die Organisation zu holen. Viele der zur Gründung im Jahr 2000 beigetretenen Mitglieder scheiden derzeit aus, weil sie ihre berufliche Tätigkeit aufgeben.

Auf Grundwerte besinnen

Gehring forderte von seinen Kollegen eine Aufbruchstimmung, um auch die nachrückende Generation von der Genossenschaftsidee zu überzeugen.

"Dazu sollten wir uns einerseits auf die genossenschaftlichen Grundwerte besinnen und gleichzeitig den Mut aufbringen, die ambulante Versorgung neu zu denken und neu zu gestalten", sagte Gehring in Rendsburg.

Die Genossen sollten sich nach seiner Ansicht gegen eine "Industrialisierung der Medizin, die Gesundheit zur Ware deklariert und Patienten in Wertschöpfungsketten ausnehmen möchte", stemmen.

Auch unter Klinikärzten, für die die Genossenschaft seit einiger Zeit geöffnet ist, sieht Gehring für diese Linie Rückhalt.

Im ambulanten Bereich ließ Bittmann kein gutes Haar an der Selbstverwaltung auf Bundesebene. Den Zustand der KBV bezeichnete er wegen der anhaltenden Konflikte in der Vorstandsspitze, aber auch wegen der undifferenzierten Kritik am Versorgungsstärkungsgesetz als verheerend.

Intrigen und "missratenes System"

Bittmann sprach von Intrigen und einem "missratenen System". "Die KBV hat keine Glaubwürdigkeit mehr", sagte Bittmann, der lange Zeit der KV in Schleswig-Holstein vorstand.

Weitaus besser sieht er die Krankenkassen und die Ärzteverbände auf Bundesebene aufgestellt. Das Verhältnis zur KV im Norden betrachtet er als intakt, er berichtete von konstruktiven Gesprächen mit der Körperschaft.

Ein Thema, bei dem Genossen und KV in Schleswig-Holstein an einem Strang ziehen, ist das in Büsum im Aufbau befindliche Ärztehaus in kommunaler Trägerschaft.

Die KV hat hierfür wie berichtet eine Anschubfinanzierung geleistet, die Genossenschaft ist für die Umsetzung und die Geschäftsführung verantwortlich.

Derzeit wird das bestehende Ärztehaus, in dem bislang ausschließlich selbstständige Ärzte in autonomen Einzelpraxen unter einem Dach niedergelassenen waren, umgebaut, und die ersten Verträge mit Ärzten werden unterzeichnet.

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