Informelle Pflege
Angehörigen-Verein fürchtet Verwerfungen durch geplante Pflegereform
Deutschlands größter Pflegedienst steht unter Druck. Zum Aktionstag am 8. September macht der Verein „wir pflegen“ auf Unwuchten im geplanten Pflegeneuordnungsgesetz aufmerksam – und fordert einen grundlegenden Eingriff.
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Fürsorge in der Familie: Deutschlands größter Pflegedienst hält das System am Laufen.
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Berlin. Deutschlands größter Pflegedienst leistet Beachtliches – und das rund um die Uhr. Zum „Tag der pflegenden Angehörigen“ am 8. September schlägt die Selbsthilfeorganisation und Interessenvertretung pflegender Angehöriger „wir pflegen“ aber mächtig Alarm.
Die finanzielle Krise der sozialen Pflegeversicherung, lautet ein Appell, dürfe nicht auf dem Rücken derjenigen ausgetragen werden, die pflegebedürftige Menschen zu Hause versorgten. „Die finanzielle Schieflage der Pflegeversicherung ist ein strukturelles Problem und kann nicht dadurch gelöst werden, dass Familien noch mehr Kosten übernehmen oder Angehörige noch mehr unbezahlte Pflege leisten“, sagt Ursula Helms, Vorstandsmitglied von „wir pflegen“.
Soziale Pflegeversicherung
PKV-Verband legt „Alternative zur bevorstehenden Pflegereform“ vor
Mit dem geplanten Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) drohten Kosten vor allem auf die Familien verschoben zu werden, kritisiert der Verein. So sehe der Reformentwurf vor, dass bisherige Einzelleistungen für die häusliche Pflege in vier Budgets „gebündelt“ werden.
Das klinge nach Vereinfachung und nach mehr Leistung. Tatsächlich aber würden unterschiedliche Leistungen aus gleichen Budgets finanziert und somit „gegeneinander aufgerechnet“. Besonders deutlich werde dies beim Entlastungsbudget: Es ersetze das Pflegegeld und werde leicht erhöht. Aus dem Budget müssten Familien künftig aber auch Pflegehilfsmittel und privat organisierte Ersatzpflege finanzieren.
Ruf nach Sockel-Spitze-Tausch
Zugleich bleibe das Grundproblem bestehen: „Die Pflegeversicherung übernimmt nur einen begrenzten Teil der Pflegekosten. Steigende Kosten treffen pflegebedürftige Menschen und ihre Familien über höhere Eigenanteile im Heim, Zuzahlungen und mehr unbezahlte Pflege durch Angehörige in der Häuslichkeit.“
An einem strukturellen Umbau führt daher laut „wir pflegen“ kein Weg vorbei. Nötig sei mindestens ein „fairer“ Sockel-Spitze-Tausch: Dabei würde die Pflegeversicherung für die steigende Spitze der Pflegekosten aufkommen, während Pflegebedürftige den gedeckelten Sockelbeitrag selber trügen. Derzeit ist es genau umgekehrt.
Im Jahr 2025 erhielten in Deutschland laut Medizinischem Dienst Bund rund sechs Millionen Menschen Leistungen aus der sozialen Pflegeversicherung, knapp 90 Prozent der antragstellenden pflegebedürftigen Menschen leben heute im eigenen Zuhause und werden von An- und Zugehörigen versorgt.
Soziale Pflegeversicherung
GKV-Spitzenverband schlägt Alarm: Finanz-Notstand in der Pflegeversicherung
Die Bundesregierung hat eine Reform der Pflegeversicherung angekündigt. Die Kabinettsbefassung mit einem Reformauschlag des Bundesgesundheitsministeriums war zuletzt mehrfach verschoben worden.
Der GKV-Spitzenverband rechnet für das Gesamtjahr 2026 mit einem Defizit von 4,4 Milliarden Euro. Darin ist bereits das laufende Notdarlehen des Bundes in Höhe von 3,2 Milliarden Euro berücksichtigt. Verbandschef Oliver Blatt hatte kürzlich gewarnt, dass die Einnahmen der Pflegekassen bereits im Oktobernicht mehr ausreichten, um die Pflegeleistungen voll zu finanzieren. (hom)




