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INTERVIEW

"Aufklärung ist das Wichtigste"

BERLIN. Dr. Sükrü Güler arbeitet als Hausarzt in Berlin-Kreuzberg. Mit dem Arzt kurdischer Herkunft sprach Angela Mißlbeck über die besonderen Probleme bei der Gesundheitsversorgung von Migranten.

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Tabuthemen im Sprechzimmer: Mehr Aufklärung ist unverzichtbar.

Tabuthemen im Sprechzimmer: Mehr Aufklärung ist unverzichtbar.

© Foto: Klaro

Ärzte Zeitung: Herr Dr. Güler. Sie sind für ihr Engagement bei der Integration von Kurden in Deutschland ausgezeichnet worden. Wie würden Sie vorgehen, um das Gesundheitswesen migrantenfreundlicher zu gestalten?

Dr. Sükrü Güler: Es ist wichtig, dass es genug muttersprachliche Angebote gibt. Denn Übersetzer stören im intimen Gespräch mit dem Arzt. Aber das A und O ist Aufklärung. Deutsche Patienten wissen viel mehr über ihre Erkrankungen. Auch Migranten müssen wissen, worum es geht. Dann können sie wie andere Patienten auch selbst etwas für ihre Gesundheit tun.

Ärzte Zeitung: Prävention erreicht aber gerade Migranten oft nicht. Was lässt sich dagegen unternehmen?

ZUR PERSON Dr. Sükrü Güler ist seit 22 Jahren als Hausarzt in Berlin-Kreuzberg niedergelassen. Der vielseitig engagierte Arzt kurdischer Herkunft ist kürzlich für seine Bemühungen um die Integration von Kurden in Deutschland mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden.

Dr. Güler: Prävention kann Erfolg haben, wenn sie das Bewusstsein der Menschen berücksichtigt. Soziale und kulturelle Hintergründe müssen dabei stärker ins Blickfeld gerückt werden. Für vorbeugende Maßnahmen braucht es aber auch mehr Personal. Und schließlich gilt: Wir sind Menschen, und wir sind schwer zu disziplinieren.

Ärzte Zeitung: Wie sieht es mit der Akzeptanz von Vorsorgeuntersuchungen aus, etwa die Darmkrebs- oder gynäkologische Vorsorge?

Dr. Güler: Das sind besondere Herausforderungen. Viele Patienten weigern sich zunächst. Sehr religiöse Frauen - und davon gibt es immer mehr, auch in der zweiten und dritten Generation - geben einem Mann nicht einmal die Hand. Wir brauchen deshalb mehr Ärztinnen. Bei Männern aus islamischen Ländern ist eine Rektaluntersuchung fast tabu. Der Arzt darf hier einfach nicht locker lassen.

ZUR PERSON

Dr. Sükrü Güler ist seit 22 Jahren als Hausarzt in Berlin-Kreuzberg niedergelassen. Der vielseitig engagierte Arzt kurdischer Herkunft ist kürzlich für seine Bemühungen um die Integration von Kurden in Deutschland mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden.

Lesen Sie dazu auch: Zum Arbeiten gekommen, alt geworden in Deutschland

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