Professionelle Patientenlotsen

Bremer Kammer warnt vor der „Erfindung neuer Berufsfelder“

Veröffentlicht:

BREMEN. Bremens Ärztekammerpräsidentin Dr. Heidrun Gitter hält nichts von professionellen Patientenlotsen. „Dem Fachkräftemangel im Gesundheitswesen begegnet man nicht mit der Erfindung immer neuer Berufsfelder“, sagte Gitter. Damit reagierte sie auf die Forderung der Patientenbeauftragten der Bundesregierung, Professor Claudia Schmidtke, Patientenlotsen einzuführen.

„Hausärzte sind diejenigen, die chronisch und mehrfach kranke Menschen durch das Gesundheitssystem lotsen können und sollten“, erklärte die Präsidentin. „Da muss man nichts Neues erfinden.“

Wer etwas gegen den Fachkräftemangel tun wolle, solle für bestehende Berufe attraktivere Arbeitsbedingungen schaffen, so Gitter. „Patienten wünschen sich oft, dass ihr Hausarzt mehr Zeit für sie hat. Darum wäre es sinnvoll, Hausärzte für ihre Zuwendung zum einzelnen Patienten besser zu vergüten und angehenden Hausärzten ihre Arbeit in der Patientenversorgung direkt zu bezahlen, statt Almosen über Fördertöpfe auszuteilen“, sagte Gitter.

Die Patientenlotsen sollen nach Ansicht Schmidtkes Patienten dabei unterstützen, die medizinische Versorgung zu organisieren. Die Herzchirurgin stützt sich bei ihrer Forderung auf Ergebnisse einer vom Bundesgesundheitsministerium geförderten Studie des IGES-Instituts, die bereits existierende Modellprojekte mit Patientenlotsen untersucht hat. Als Patientenlotsen kommen Gesundheitsberufe wie MFA, Pflegefachkräfte und Soziotherapeuten infrage. (cben)

Mehr zum Thema

Interview mit Bayerns Hausärzte-Chef

Dr. Beier: „Die Corona-Impfstoffverteilung ist ein Irrsinn“

Corona-Lage

Spahn geht Impfverweigerer hart an

Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Thomas Georg Schätzler

Ein Verlust Hausarzt-zentrierter Wahrnehmung!

Hier ist ein Verlust von Hausarzt-zentrierter Wahrnehmung, Empathie und Realitätssinn im Umkreis der bisher ausschließlich als Herzchirurgin klinisch tätigen Patientenbeauftragten der Bundesregierung, Frau Prof. Dr. med. Claudia Schmidtke (CDU), zu konstatieren. Sie konnte in ihrer bisherigen medizinischen Sozialisation die Hausarzt-Welt offensichtlich nicht ausreichend reflektieren.

Der vom Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium ins Spiel gebrachte Patientenlotse soll die bio-psycho-soziale, medizinische Steuerungsfunktion der Hausärztinnen und Hausärzte und ihre Mitarbeiter/-innen in Deutschland ganz offensichtlich untergraben, für bisher unzureichend, unqualifiziert, ungenügend und nicht zertifiziert erklären: Die vertragsärztliche Kernkompetenz der hausärztlich-allgemeinärztlich-internistischen Versorgung ersetzen oder überflüssig machen.

Der Gipfel ist, dass diese, von uns und unseren Medizinischen Fachangestellten (MFA) nicht nur im Rahmen der Hausarzt-zentrierten Versorgung (HzV) bisher immer zusätzlich und o h n e Honorar bzw. ohne Anerkennung erbrachte sozialmedizinische Kärrnerarbeit, jetzt von extra qualifiziertem Fachpersonal erbracht und z u s ä t z l i c h bezahlt werden soll!?

Kein Wunder, dass immer mehr Kolleginnen und Kollegen der hausärztlich-vertragsärztlichen Tätigkeit den Rücken kehren und sich nicht mal als Facharzt für Allgemeinmedizin in unterversorgten Gebieten niederlassen wollen.

Eine systematische Demontage der hausärztlichen Lotsenfunktion! Da hätte ich durchaus etwas mehr Sensibilität und Achtsamkeit gegenüber den sozialen und medizinischen Lebensleistungen der Hausärztinnen und Hausärzte erwartet.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Die Coronakrise hat den Pflegekräften an der Charité zugesetzt. Um sie zu unterstützen, gehören inzwischen zehn Psychologen zum Team. Sorgen können dadurch unkompliziert in den Pausen angesprochen werden.

© Alexander Raths / stock.adobe.com

Supervision an der Kaffeetasse

Wie die Charité ihren COVID-Kräften Beistand leistet