Kampf gegen Diabetes

Briten machen Ernst

Britische Hausärzte sollen eine größere Rolle im Kampf gegen Diabetes spielen. Das sehen Pläne des Londoner Gesundheitsministeriums vor.

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LONDON. Das Gesundheitsministerium schlägt Alarm: Weil Jahr für Jahr bei tausenden Patienten die Krankheit nicht rechtzeitig diagnostiziert wird, sollen britische Hausärzte ihre Patienten öfter auf Diabetes checken.

Diabetes entwickelt sich in Großbritannien immer mehr zu einer der kostenträchtigsten Krankheiten überhaupt, die das staatliche Gesundheitswesen (National Health Service, NHS) jährlich umgerechnet rund 14 Milliarden Euro kostet.

In den vergangenen zehn Jahren sei die Zahl der Diabetes-Patienten um 60 Prozent auf heute rund 3,3 Millionen Patienten gestiegen, so das Gesundheitsministerium.

Bereits heute gibt der staatliche Gesundheitsdienst fast zehn Prozent seines Etats für die Behandlung von Patienten mit Krankheiten aus, die im Zusammenhang mit Diabetes stehen.

Bis zum Jahr 2025 erwarten Gesundheitspolitiker einen weiteren Anstieg auf dann fünf Millionen Diabeteskranke. "Das wird fast unbezahlbar", so eine Sprecherin der Organisation "Diabetes UK".

Die Organisation verlangt eine bessere Prävention und Früherkennung. NHS-Hausärzte sollen dabei anders als bisher die zentrale Schlüsselrolle einnehmen.

Etwa 10.000 Diabetes-Risikopatienten sollen zunächst versuchsweise von ihrem Hausarzt kontaktiert werden, damit ihnen der Arzt beim Abnehmen hilft. Das ärztliche Angebot reicht von Ernährungsberatung über Gruppentherapie bis hin zu Diät- und Sportplänen.

Extrem hohe Zusatzkosten

Bislang werde lediglich jede zweite Diabetes-Erkrankung im Königreich zeitnah diagnostiziert. Das verursache jährlich Zusatzkosten für das staatliche Gesundheitswesen in Millionenhöhe.

Da Großbritannien ein nach dem Primärarztprinzip aufgebautes Gesundheitswesen hat, komme den Allgemeinpraktikern eine wichtige Früherkennungsrolle zu, hieß es.

Das Gesundheitsministerium kündigte unterdessen neue Initiativen an, um bei den Hausärzten zum einen "das Problembewusstsein für den Volksfeind Nummer eins Diabetes" zu schärfen.

Zum anderen soll durch öffentliche Patientenaufklärung gezielter als bisher auf Risikofaktoren wie Übergewicht aufmerksam gemacht werden. Diabetes UK schätzt, dass bis zu 80 Prozent der von Diabetes verursachten Kosten vermeidbar wären, wenn die Krankheit früher diagnostiziert würde.

Das britische Gesundheitsministerium bestätigte auf Anfrage der "Ärzte Zeitung", dass sowohl den staatlichen Hausärzten als auch den NHS-Krankenhäusern neue und ehrgeizige Diagnoserichtlinien an die Hand gegeben werden.

Ziel sei es, bis zum Jahre 2018 "80 Prozent aller Risikopatienten" gezielt auf Frühsymptome hin zu untersuchen, die auf eine mögliche Diabetes-Erkrankung hindeuten könnte.

Doch die Pläne gehen noch weiter: Übergewichtige Ärzte und Krankenschwestern und -pfleger in England sollen demnächst von ihrem Arbeitgeber kostenlose Reduktionsdiäten und Weight Watcher-Kurse angeboten bekommen.

Auch Ärzte sollen abspecken

Das Angebot richtet sich laut Gesundheitsministerium zunächst an "rund 700 000" zu dicke Ärzte und Pflegepersonal. Denen wird ein zwölfwöchiger Diätkurs auf Staatskosten angeboten. Ernährungsberatung von Fachkräften sollen dieses Angebot ergänzen.

Kein Zweifel: Die Briten haben viel zu lange nur halbherzig agiert, doch jetzt machen sie ernst im Kampf gegen Diabetes. (ast)

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