Britischer Ärztetag attackiert Markt und Wettbewerb

EDINBURGH (ast). Der britische Ärztebund (British Medical Association, BMA) hat auf seiner Jahrestagung im schottischen Edinburgh die sofortige Abschaffung aller marktwirtschaftlichen Initiativen in britischen Praxen und Kliniken verlangt. Anstatt um Budgets zu kämpfen, sollte sich die Ärzteschaft "lieber auf das Heilen der Kranken" konzentrieren, so BMA-Chairman Dr. Hamish Meldrum.

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Der BMA-Chairman verglich den staatlichen britischen Gesundheitsdienst (National Health Service, NHS) mit einem "schlampigen Supermarkt". "Im Gesundheitsdienst dreht sich heute alles um Kosten, Budgets und Erfolgsstatistiken. Das ist so wie in einem schlecht geführten Supermarkt und muß sofort aufhören!"

Die BMA, die die beruflichen Interessen von knapp 100.000 Ärztinnen und Ärzten im Königreich vertritt, verlangt von Gesundheitsminister Alan Johnson eine gesundheitspolitische Kehrtwendung. Der interne NHS-Markt, bei dem es darum gehe, Staatskliniken gegeneinander auszuspielen, habe sich als "großer Fehler" erwiesen. Er müsse abgeschafft werden, da er zum einen mit zuviel Bürokratie verbunden sei und zum anderen "nicht die gewünschten Erfolge" gebracht habe.

Interessent: als Labour 1997 die Konservativen in der Regierungsverantwortung ablösten, war eines der wichtigsten gesundheitspolitischen Ziele die Abschaffung des internen NHS-Marktes. Laut BMA sei es bei den Versprechungen geblieben. Heute verbringen britische Ärzte "mehr Zeit als jemals zuvor" mit dem Ausfüllen von Formularen, so die BMA.

Die BMA sprach sich ferner gegen die Einführung von Polikliniken in Großbritannien aus, da diese den Fortbestand traditioneller Hausarztpraxen gefährdeten. Die Regierung Brown möchte in den kommenden zwei Jahren mehr als 60 Polikliniken gründen.

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