Berufspolitik

"Busch-Zulage" soll Ärztemangel lindern

Mehr als 600 Ärzte aus dem Ausland helfen derzeit in Thüringen, den Mangel vor Ort auszugleichen. So lange noch über die Hälfte der Medizinstudenten auf eine Karriere als Arzt verzichtet, wird sich die Situation im Land kaum verbessern, meint die KV. Wege aus der Krise wurden bei der Ärztewoche Thüringen diskutiert.

Von Robert Büssow Veröffentlicht: 21.04.2010, 05:00 Uhr

WEIMAR. Die starre Abgrenzung von stationärer und ambulanter Versorgung müsse endlich aufgebrochen werden, forderten die KV-Vorsitzende Regina Feldmann und Mathias Wesser, Präsident der Landesärztekammer, zu Beginn der 18. Thüringer Ärztewoche am vergangenen Wochenende in Weimar. Nur so sei der massive Ärztemangel langfristig zu einzudämmen. Die Abschaffung des Numerus clausus im Medizinstudium lehnten beide hingegen ab. "Solange fast die Hälfte aller Absolventen nicht im Arztberuf ankommt, nützt die Erhöhung der Studentenzahl wenig", betonte KV-Chefin Feldmann. "Auch eine Landarztquote oder Stipendien, mit denen bereits Studenten zur Niederlassung an einem bestimmten Ort verpflichtet werden, widersprechen meinem Freiheitsverständnis", kritisierte Kammer-Präsident Wesser.

Derzeit fehlen in Thüringen etwa 125 Ärzte in der ambulanten Versorgung sowie 250 an den 41 Thüringer Kliniken. "Damit droht der Ärztemangel nicht mehr, er ist schon längst da", sagte Feldmann. Eine wichtige Stütze des Gesundheitssystems sind die mittlerweile 619 Ärzte aus dem Ausland, darunter allein 57 aus Österreich sowie viele aus Osteuropa. Vor neun Jahren waren es noch 126 auswärtige Ärzte.

"Eine wichtige Maßnahme ist auch die neue Blockweiterbildung für Allgemeinmedizin mit einem persönlich zugeschnittenen Ausbildungsplan", so Wesser. Damit wolle man junge Mediziner für den Hausarztberuf begeistern. 13 Krankenhäuser hätten einen entsprechenden Kooperationsvertrag bereits unterschrieben. Außerdem hält er es für unvermeidlich, dass auch Klinikärzte künftig Sprechstunden geben müssen. 

Den Ärztemangel mithilfe ausländischer Ärzte zu lösen, stieß bei Feldmann hingegen auf Kritik: "Unsere Ärzte gehen nach Österreich und anderswo, und die Österreicher kommen zu uns? Da ist doch etwas faul." Sie schlug ein Landjahr vor sowie eine "Busch-Zulage", also finanzielle Sonderanreize für die Niederlassung auf dem Land. Die KV Thüringen forderte darüber hinaus die Wiedereinführung der 2009 ersatzlos gestrichenen Sicherstellungszuschläge, um beispielsweise Praxisneugründungen zu fördern.

Auch die Festsetzung der Unterversorgungsgrenzen müsse novelliert werden, so Feldmann weiter: "Derzeit gilt eine Region erst mit 75 Prozent der Hausärzte als unterversorgt, bei Fachärzten sind es sogar nur 50 Prozent. Das ist völlig unrealistisch."

Langfristig, befürchtet Feldmann, sei die ambulante Betreuung durch die KV allein kaum noch sicherzustellen.

Reinhard Fünfstück vom Verband leitender Krankenhausärzte in Thüringen sieht das Grundproblem in der Bürokratisierung und gesunkenen Attraktivität des Arztberufes. Die meisten Medizinstudenten springen demnach nicht nach dem Studium ab, sondern wenn sie den Alltag permanenter Überlastung in den Krankenhäusern kennengelernt haben. Hier sei der zentrale Lösungshebel anzusetzen.

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