AOK Nordost und Vivantes

Cardiolotsen weisen Patienten den richtigen Weg

Bis zu 2200 Patienten sollen die zu Cardiolotsen fortgebildeten MFA und Krankenschwestern in Berlin unterstützen.

Von Angela MisslbeckAngela Misslbeck Veröffentlicht:
Wie geht es weiter nach dem Krankenhaus? Cardiolotsen sollen Herzpatienten anschließend begleiten und die Betreuung durch Hausärzte und Kardiologen unterstützen.

Wie geht es weiter nach dem Krankenhaus? Cardiolotsen sollen Herzpatienten anschließend begleiten und die Betreuung durch Hausärzte und Kardiologen unterstützen.

© Limbachs Style - Fotolia

BERLIN. Weniger Wiedereinweisungen und eine geringere Sterblichkeit bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen strebt das Projekt Cardiolotse der AOK Nordost und des kommunalen Berliner Klinikriesen Vivantes an. Mit einer Förderung von 4,6 Millionen Euro gehört es zu den großen Projekten des Innovationsfonds. Das liegt nicht zuletzt daran, dass ein neues Berufsbild etabliert wird.

Cardiolotsen sollen Herzpatienten nach einem Krankenhausaufenthalt begleiten und die Betreuung durch Hausärzte und Kardiologen unterstützen. Medizinische Fachangestellte und Krankenschwestern erhalten dafür eine viermonatige Fortbildung.

Dabei werden sie über Herzkreislauf-Erkrankungen ebenso geschult wie in Kommunikation, Coaching und Datenmanagement. Vor allem aber lernen sie das komplette Gesundheitswesen kennen, damit sie die Patienten dabei unterstützen können, Reha- und Präventions-Angebote, Haus- und Facharzttermine oder verschiedene Unterstützungsleistungen der Krankenkasse wahrzunehmen.

11 Lotsen bereits im Einsatz

Das Projekt hat im Juni 2018 begonnen. Elf Kardiolotsen sind bereits im Einsatz. Sie suchen die Patienten am Krankenhausbett auf und betreuen sie im Rahmen des Projektes mindestens ein Jahr lang regelmäßig aktiv telefonisch. Über 700 Patienten haben das Angebot bereits angenommen. Insgesamt 2200 sollen es werden.

Patienten mit insgesamt zehn verschiedenen Diagnosen können in das Projekt eingeschlossen werden. Dabei soll es auch eine Kontrollgruppe mit weiteren 2200 Herzpatienten geben, die herkömmlich betreut werden. Das Projekt wird von der Ludwig-Maximilian-Universität München evaluiert. Auch die Kosten werden erhoben.

Mehr als jeder dritte Versicherte der AOK Nordost (37 Prozent) leidet an einer chronischen Herzerkrankung. Jeder vierte Herzpatient wird nach einem Krankenhausaufenthalt wiedereingewiesen. Darauf wies die designierte AOK-Nordost-Chefin Daniela Teichert bei der Projektvorstellung am Dienstag hin.

Die Krankenkasse bindet über einen ergänzenden Selektivvertrag nach und nach niedergelassene Hausärzte und Kardiologen in das Projekt ein. „Die Cardiolotsen sind Ansprechpartner für Patienten und Ärzte“, sagte Teichert.

Niedergelassener Arzt hat die Therapiehoheit

Der Medizinische Projektleiter und Kardiologische Vivantes-Chefarzt Professor Harald Darius wies auf die Vorteile hin: „Die Therapiehoheit bleibt beim niedergelassenen Hausarzt oder Facharzt. Der Vorteil für die Niedergelassenen ist, dass jemand nachhält, ob die Therapieanweisungen umgesetzt werden.“

Cardiolotsin Bilge Kilincsay betreut bereits 70 Patienten in dem Projekt. „Sie wissen zwar, was sie zu tun haben, aber sie brauchen jemand, der ihnen konkret hilft, zum Beispiel eine Herzsportgruppe in der Nähe zu finden“, berichtet sie.

Vivantes-Chefin Dr. Andrea Grebe versichert, dass das Projekt darauf zielt, dass Patienten im ambulanten Bereich gut versorgt werden. „Es wäre ein toller Erfolg, wenn diese Patienten durch eine Betreuung von Cardiolotsen und Niedergelassenen nicht wegen vermeidbarer Komplikationen wieder eingewiesen werden müssten“, sagte Grebe.

Die Projektergebnisse sollen im Sommer 20212 vorliegen.

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