HINTERGRUND

Die Leopoldina soll kein Rat der Weisen sein

Florian StaeckVon Florian Staeck Veröffentlicht:

Die neue Nationale Akademie Leopoldina in Halle soll die "Nummer eins" in der wissenschaftlichen Politikberatung in Deutschland werden. Diesen Wunsch hat Bundesforschungsministerin Annette Schavan anlässlich der offiziellen Ernennung der Leopoldina zur Nationalen Akademie der Wissenschaften erklärt.

Präsident der ältesten naturwissenschaftlichen Akademie in Europa wird der Virologe Professor Volker ter Meulen aus Würzburg sein. Die Leopoldina als übernationale naturwissenschaftlich-medizinische Gelehrtengesellschaft wurde 1652 in Schweinfurt gegründet und ist seit 1878 in Halle ansässig. Ihr gehören zur Zeit weltweit etwa 1300 Mitglieder an, darunter 32 Nobelpreisträger. Die Wissenschaftler kommen zu 85 Prozent aus den Bereichen Medizin und Naturwissenschaften, zu 15 Prozent aus den Geistes- und Sozialwissenschaften.

Finanziert werden die jährlichen Kosten von vier Millionen Euro zu 80 Prozent vom Bund und zu 20 Prozent vom Land Sachsen-Anhalt. Im kommenden Jahr leistet der Bund für den Akademie-Aufbau eine zusätzliche Finanzspritze von 2,5 Millionen Euro.

Blaupausen für Politiker will der Präsident nicht schreiben.

Ein Ziel von Annette Schavan ist es, dass die deutsche Wissenschaft stärker als bisher mit einer Stimme sprechen und Deutschland in internationalen wissenschaftlichen Gremien vertreten soll. Vor allem verknüpft die Regierung mit der neuen Akademie die Hoffnung, die Politikberatung zu bündeln.

Vorausgegangen war der Ernennung allerdings hinhaltender Widerstand anderer Wissenschaftsorganisationen wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Länderakademien, dabei wurde auch der Sinn einer Nationalakademie bezweifelt. "Die Leopoldina wird der DFG und anderen nichts nehmen", hatte Schavan im Vorfeld zu beruhigen versucht.

Unterdessen unterstrich Akademie-Präsident ter Meulen den unabhängigen Status der Einrichtung, die weiter ihren Sitz in Halle haben wird: "Wir sind keine Auftragnehmer. Wir sind nicht dafür da, die Hausaufgaben eines Ministeriums zu erledigen", sagte ter Meulen dem "Deutschlandradio". Klimawandel sowie Energie, Gesundheit und Bildung seien Schlüsselthemen. Einen Universalanspruch der Nationalakademie lehnte ter Meulen aber ab: "Wir können nicht alle Fragen der Lebensproblematik eines Volkes klären." Man erstelle keine "Blaupausen für die Politik", sondern wolle Entscheidungsträger aufklären.

Was dabei zu beachten ist, hat Bundespräsident Horst Köhler gestern beim Festakt in Halle den Wissenschaftlern mit auf den Weg gegeben: "Als guter Ratgeber muss die Wissenschaft ihren eigenen Prinzipien treu bleiben. Sie muss offen sein für Widerspruch, transparent in ihrem Vorgehen und bereit, eigene Interessen zurückzustellen. Sonst ist sie kein Ratgeber, sondern Lobbyist."

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