Engpassberufe
In Praxis und Klinik: Anteil ausländischer Beschäftigter im Gesundheitswesen nimmt zu
Ob Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte und andere Gesundheitsberufe: Beschäftigte ohne deutschen Pass sind unverzichtbar, um das Gesundheitswesen in Deutschland am Laufen zu halten. Zahlen der Bundesagentur für Arbeit verdeutlichen die Entwicklung.
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Agenturen wie die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung haben viel zu tun. Immer mehr Beschäftigte ohne deutschen Pass arbeiten im Gesundheitswesen.
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Berlin. Die Bedeutung von Beschäftigten mit ausländischer Staatsangehörigkeit hat im Gesundheitswesen in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Das gilt insbesondere für die sogenannten Engpassberufe. Darunter versteht die Bundesagentur für Arbeit Berufsfelder, bei denen die Nachfrage nach Arbeitskräften das Angebot deutlich übersteigt.
Engpassberufe zeichnen sich beispielsweise dadurch aus, dass die Nachbesetzung von freien Stellen überdurchschnittlich lange dauert. Ein Beispiel sind die Pflegeberufe: Hier hat der Anteil ausländischer Beschäftigter seit 2021 von 9,7 auf 15,1 Prozent im vergangenen Jahr zugenommen. Von den bundesweit knapp 1,2 Millionen Berufsangehörigen hatten mehr als 181.000 keinen deutschen Pass.
Nicht erfasst von dieser Statistik sind Menschen mit Migrationsgeschichte oder eingebürgerte Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit – berücksichtigt man auch diese Gruppe, liegt der Anteil noch viel höher.
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Der Sachverständigenrat (SVR) für Integration und Migration, ein Beratungsgremium der Bundesregierung, hat in einem Gutachten im Jahr 2022 Menschen mit Zuwanderungsgeschichte als „systemrelevant“ im Gesundheitswesen bezeichnet.
Nach Angaben des SVR ist von den 4,2 Millionen Menschen, die in Gesundheits- und Pflegeberufen arbeiten, fast ein Viertel zugewandert oder hat eine familiäre Einwanderungsgeschichte. 2022 waren das bundesweit rund 940.000 Menschen – diese Zahl dürfte seitdem weiter gestiegen sein.
Höchster Anteil bei Zahnmedizinischen Fachangestellten
Ähnlich hohe Anteile ausländischer Beschäftigter wie in der Pflege weisen Zahnmedizinische Fachangestellte auf. Allein seit 2021 ist deren Anteil von 10,8 Prozent auf 16,1 Prozent gestiegen.
Zweistellige Werte wurden im vergangenen Jahr auch bei Zahnärzten/Kieferorthopäden (13,2 Prozent) registriert, bei Medizinisch-technischen Angestellten in der Radiologie (10,0 Prozent) sowie bei der Operationstechnischen Assistenz (10,1 Prozent).
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Im nach der Pflege zweitgrößten Berufsfeld, den Medizinischen Fachangestellten, hatten im vergangenen Jahr 7,7 Prozent der Beschäftigten keinen deutschen Pass. Einstellige Werte weisen auch die Therapeutenberufe auf – in der Physiotherapie waren es 6,3 Prozent im Jahr 2025, in der Ergotherapie 2,2 Prozent und in der Sprachtherapie 2,6 Prozent.
Eine tragende Säule der Versorgung sind ausländische Beschäftigte in mehreren ärztlichen Fachgruppen. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit betrug im Vorjahr der Anteil der Ärztinnen und Ärzte ohne deutschen Pass beispielsweise in der Psychiatrie/Psychotherapie 16,7 Prozent, in der Chirurgie waren es 16,6 Prozent und in der Anästhesiologie 12,7 Prozent.
Abhängigkeit von ausländischen Beschäftigten steigt
Auch jenseits des Gesundheitswesens wächst die Abhängigkeit von ausländischen Beschäftigten auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Bis zum Jahr 2029 sind demnach bundesweit rund 4,8 Millionen Personen nötig, um hierzulande angebotene Arbeitsplätze besetzen zu können, erklärt die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Linken-Fraktion. Aus dem Bildungssystem oder durch Zuwanderung werden bis dahin jedoch voraussichtlich nur knapp 4,4 Millionen Menschen auf den Arbeitsmarkt kommen.
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Hinzu kommt: Arbeitskräfte aus dem EU-Ausland werden diese Lücke voraussichtlich nicht decken. Denn die Nettozuwanderung nach Deutschland im Rahmen der Freizügigkeit für EU-Bürger nimmt ab: Im Jahr 2022 kamen noch rund 143.000 Menschen aus dem EU-Ausland mehr nach Deutschland, als abgewandert sind. Doch im vergangenen Jahr ist dieser Saldo auf nur noch 12.700 Personen geschrumpft.
Zahlen dazu, wieviel Nettozuwanderung nach Deutschland pro Jahr geboten wäre, kann die Bundesregierung nach eigenen Angaben nicht liefern. Doch soviel steht fest: In Ostdeutschland wird in Relation zur Bevölkerung eine höhere Nettozuwanderung benötigt, als in den alten Bundesländern. (fst/jtm)





