Ärztenetz in Bayern

Die Wege werden weit

Haus- und Fachärzte weisen auf mögliche Folgen des Praxisaufkaufs hin: Anfahrtswege für Patienten von bis zu 100 Kilometern.

Veröffentlicht: 17.12.2014, 10:40 Uhr

MÜNCHEN. Der Aufkauf von Arztpraxen stößt nicht nur bei den Kassenärztlichen Vereinigungen und den ärztlichen Berufsverbänden auf Ablehnung, jetzt meldet sich auch die Basis zu Wort.

In einem offenen Brief hat die Arbeitsgemeinschaft südbayerischer Ärztenetze, in der sechs Praxisnetze mit rund 500 niedergelassenen Haus- und Fachärzten aller Fachrichtungen organisiert sind, auf die Auswirkungen des geplanten Gesetzes in der Versorgungsrealität hingewiesen.

So seien in den Planungsbereichen Landsberg und Dießen in den nächsten zehn Jahren mehr als 8000 Patienten gezwungen, sich einen anderen Hausarzt suchen zu müssen, sollte das Gesetz in Kraft treten.

Bei dieser Betrachtung sei der demografische Wandel und die Morbiditätsentwicklung hin zu mehr chronischen Krankheiten noch nicht mal berücksichtigt.

"Das hehre Ziel, über zusätzliche Weiterbildungsstellen junge Hausärzte für eine Niederlassung im ländlichen Bereich zu motivieren, wird mit dieser Regelung ad absurdum geführt", heißt es in dem Schreiben.

Für die fachärztliche Versorgung hätte die geplante Regelung ebenfalls gravierende Auswirkungen, warnt die Vorsitzende der Gesundheitsorganisation Lech-Ammersee, Dr. Helga Holzfurtner.

In der Bedarfsplanung für die fachärztliche Versorgung seien neben der Stadt München auch die Landkreise München, Freising, Erding, Ebersberg, Starnberg, Landsberg, Dachau und Fürstenfeldbruck zu einer Raumordnungsregion zusammengefasst.

Nach der beabsichtigten Neuregelung würden in den nächsten zehn Jahren in diesem Gebiet mehr als 100 fachärztlich tätige Internisten wegfallen.

Dem Patienten werde damit zugemutet, für einen Besuch beim Facharzt in der gesamten Raumordnungsregion unterwegs zu sein, was Fahrstrecken von bis zu 100 km bedeuten würde.

Da Internisten im Durchschnitt zwischen 800 und 1200 Patienten im Quartal betreuen, sei die Wartezeitendiskussion um die Einführung von Terminservicestellen geradezu grotesk, erklärte Holzfurtner.

Das Instrument der Bedarfsplanung bilde nicht den tatsächlichen Bedarf in einer Region ab, sondern sei lediglich Ausdruck von Verhältniszahlen und daher nicht geeignet, den Versorgungsbedarf der Bevölkerung in einer Region darzustellen, heißt es in dem offenen Brief. (sto)

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