Fachärzte warnen vor einer Industrialisierung
MÜNCHEN (sto). Vor einer Industrialisierung des Gesundheitswesens hat der Bayerische Facharztverband gewarnt. Die Patientenversorgung müsse auch in Zukunft wohnortnah durch freiberuflich tätige Ärzte erfolgen, erklärte die Verbandsvorsitzende Dr. Ilka Enger.
Bei einer Protestveranstaltung auf dem Münchner Marienplatz, zu der der Bayerische Facharztverband aufgerufen hatte, sprach sich Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder für eine "Stärkung des niedergelassenen Arztes" aus. Die Ärzte sollten nach den Erfahrungen mit der Honorarreform, "die bereits im ersten halben Jahr nach Inkrafttreten siebenmal geändert werden musste", so Söder, künftig nach einer "freien Gebührenordnung" abrechnen können, meinte der CSU-Politiker.
Der "Arzt um die Ecke" müsse erhalten bleiben, forderte Dr. Martin Grauduszus, Präsident der Freien Ärzteschaft. Leider seien die gesetzlichen Rahmenbedingungen derzeit so, "dass Kapitalgesellschaften die ambulante Versorgung übernehmen können", erklärte Grauduszus. Das dürfe nicht so bleiben. Um Kapitalgesellschaften den Zugang zum Gesundheitswesen verwehren zu können, sollten MVZ genossenschaftlich organisiert und in den Händen von Ärzten sein. Kritik äußerte der Facharztverband auch an der elektronischen Gesundheitskarte, die zur Entmündigung der Patienten führe.



