Direkt zum Inhaltsbereich

Ambulante Versorgung

Psychotherapeuten-Protest: „Kürzung hat das Fass zum Überlaufen gebracht“

Bundesweit protestieren Psychotherapeuten gegen Vergütungskürzungen. Ihre Botschaft: Der Effekt der Sparmaßnahme für das Gesamtsystem sei marginal. Für viele Praxen hingegen bedeute sie eine spürbare wirtschaftliche Belastung.

Veröffentlicht: | aktualisiert:
Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Demonstration für faire Honorare für Psychotherapeuten protestieren auf dem Rathausmarkt.

Klare Botschaften: Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Demonstration für faire Honorare für Psychotherapeuten protestieren auf dem Rathausmarkt in Hamburg.

© Christian Charisius/dpa

Berlin/Hamburg. Viel Wut im Bauch und lautstarke Proteste unter anderem in Berlin, Düsseldorf, München, Hamburg und Stuttgart: Am Mittwoch sind Tausende Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten auf die Straße gegangen, um gegen die kürzlich beschlossene Vergütungskürzung in ihrem Bereich zu demonstrieren.

Aufgerufen zu den Demonstrationen hat das Deutsche Psychotherapeuten Netzwerk (DPNW). Dieter Adler, 1. Vorsitzender des Netzwerks, betonte: „Die Kürzung hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Jahrelange Gängeleien, zunehmende Bürokratisierung und immer wieder der Vorwurf, wir seien selbst schuld am Versorgungsnotstand – weil wir unsere Arbeit angeblich falsch organisieren. Irgendwann platzt der Kragen.“

Lesen sie auch

Dr. Enno Maaß, Bundesvorsitzender der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV), warnte: „An der Psychotherapeutischen Versorgung zu sparen, ist ein unverantwortlicher Angriff auf eine funktionierende ambulante Versorgungsstruktur und ein Fehlgriff in Bezug auf die psychische Gesundheit GKV-Versicherter.“ Laut DPtV nahmen allein in Berlin 4000 Psychotherapeuten und Unterstützer an einer Demonstration teil.

Der Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) setzte eine Solidaritätsnote ab. Die Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten stemmten sich gegen „pauschale und rasenmäherartige Kürzungen der Vergütung“, erklärten die KBV-Vorstände Dres. Andreas Gassen, Stephan Hofmeister und Sibylle Steiner. Es handele sich um Finanzmittel, die der Versorgung der Patienten „einfach weggenommen“ würden.

KBV: „Rasenmäherartige Kürzungen“

Anfang März war die Vergütung für psychotherapeutische Leistungen per Beschluss des erweiterten Bewertungsausschusses zum 1. April pauschal um 4,5 Prozent abgesenkt worden. Die KBV erinnerte daran, dass im ambulanten Bereich 97 Prozent der Versorgung gestemmt würden. Entziehe man diesem „leistungsstärksten Bereich“ Milliarden „an ohnehin zu knappen Finanzmitteln“, riskiere man weitere Löcher in der medizinischen und der psychotherapeutischen Versorgung.

Lesen sie auch

Vertreter der Krankenkassen mahnten unterdessen die Rückkehr zu einer sachlichen Debatte an. „Die Fokussierung auf die Honorarkürzungen ist aus unserer Sicht nicht sachgerecht und blendet die Gründe für die aktuellen Versorgungsprobleme in der psychotherapeutischen Versorgung, aber auch die akuten Finanzierungsprobleme der gesetzlichen Krankenversicherung völlig aus“, sagte die Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Ersatzkassen (vdek), Ulrike Elsner.

Kassen mahnen sachliche Debatte an

Grundsätzlich gehörten die psychotherapeutischen Versorgungsstrukturen in Deutschland weltweit „zu den besten überhaupt“, betonte Elsner. So sei die Zahl der ambulant tätigen Psychotherapeuten in den Jahren 2013 bis 2024 von rund 25.600 auf etwa 40.000 gestiegen. Gleichzeitig hätten sich die Ausgaben der Krankenkassen für psychotherapeutische Leistungen von 1,59 Milliarden Euro auf 3,57 Milliarden Euro mehr als verdoppelt.

Es gelte nun, Ressourcen besser einzusetzen, um lange Wartezeiten auf einen Therapieplatz zu vermeiden, gerade bei Patienten mit dringendem Behandlungsbedarf. Elsner regte an, das Angebot der Gruppentherapie auszubauen. Deren Wirksamkeit sei bei zahlreichen Indikationen wissenschaftlich gut belegt. (hom)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Logo Digiteneers - Vertidisan

© Digitineers

Digitineers

Bei Schwindel – Vertidisan®: Die Therapie-App

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Logo Cardisio

© Doctolib

Doctolib

Mehr Service: KI-Assistenz rund um die Privatbehandlung

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums v.l.n.r.: Professor Karl Broich (BfArM), Dr. Jürgen Malzahn (AOK-Bundesverband), Dr. Christine Mundlos (ACHSE e.V.), Hauke Gerlof (Ärzte Zeitung), Dr. Johanna Callhoff (DRFZ), Professor Christoph Schöbel (Ruhrlandklinik, Universitätsmedizin Essen), Privatdozent Dr. Christoph Kowalski (Deutsche Krebsgesellschaft), Dr. Peter Kaskel (Idorsia)

© Thomas Kierok

ICD-11: Die Zeit ist reif für die Implementierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Idorsia Pharmaceuticals Germany GmbH, München

Kampf dem Zervixkarzinom

Ärzte sind sich einig: eine Impfung schützt!

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vision Zero e.V.
Abb. 1: Bei erfolgreich therapierter Sialorrhö ist Teilhabe wieder leichter möglich

© Olesia Bilkei / stock.adobe.com [Symbolbild]

Glycopyrroniumbromid bei schwerer Sialorrhö†

Wirtschaftliche Verordnung durch bundesweite Praxisbesonderheit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Proveca GmbH, Düsseldorf
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Besser als Atemtherapie?

Supragastrisches Aufstoßen lässt sich mit Gesang vertreiben

Lesetipps
Koloskopie, Blick auf den Monitor

© Issara - stock.adobe.com

Anstoß zur Diskussion

Darmkrebs: Ist die koloskopische Überwachung falsch aufgestellt?

Ein Arzt zählt mit den Fingern bis Drei.

© Arnéll Koegelenberg/peopleimages.com/stock.adobe.com

Regionaler Multimorbiditäts-Vergleich

Wo es relativ viele Ü-50-Jährige mit drei oder mehr chronischen Erkrankungen gibt