Berufspolitik

Fachärzte ziehen vor den Landtag

DÜSSELDORF (iss). Die nordrheinischen Fachärzte haben die Nase voll. "Ohne Not wird ein über Jahre gewachsenes und bewährtes System der fachärztlichen Versorgung in Frage gestellt", sagte der Vorsitzende des Berufsverbands Deutscher Nervenärzte Dr. Frank Bergmann bei einer Demonstration der Fachärzte in Düsseldorf.

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Ärger über schlechte Honorierung.

Ärger über schlechte Honorierung.

© Foto: iss

Rund 300 Fachärzte und Praxismitarbeiterinnen brachten vor dem nordrhein-westfälischen Landtag ihre Wut zum Ausdruck. "Es muss Schluss sein mit der Nivellierung und Pauschalierung in diesem System", forderte Bergmann unter dem Applaus der Demonstranten. "Als Psychiater und Neurologen wissen wir: Es gibt gute Therapien gegen Psychosen und Wahnideen", sagte er an die Adresse der Politik. "Wollen wir in Deutschland holländische Verhältnisse oder wollen wir weiter die wohnortnahe flächendeckende Versorgung", fragte der Vorsitzende der Gemeinschaft Fachärztlicher Berufsverbände in Nordrhein Dr. Michael Hammer. Die Fachärzte überreichten dem Staatssekretär im NRW-Gesundheitsministerium Dr. Walter Döllinger eine Resolution, in der sie einen grundlegenden Umbau des Gesundheitswesens, die sofortige Aufhebung der Budgetierung und Rationierung, die Abwehr politischer, ökonomischer und kommerzieller Interessen sowie den absoluten Schutz der Patientendaten forderten.

Döllinger zeigte Verständnis für den Protest der Niedergelassenen. "Wenn ich an Ihrer Stelle wäre, würde ich auch auf die Barrikaden gehen." Selbst für ihn als Ökonomen sei eine vertragsärztliche Abrechnung nicht mehr nachzuvollziehen, sagte er. Er warnte die Niedergelassenen aber davor, die Patienten zu instrumentalisieren. "Man darf Patienten nicht in Geiselhaft nehmen", sagte er und kassierte lautstarke Buhrufe.

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Dr. Günter Wolowski

Patienten haben Verständnis

Noch hatten unsere Patienten soviel Verständnis für unsere Situation wie heute. Der mündige Patient möchte weiter seinen Hausarzt und seine Fachärzte in erreichbarer Nähe und nicht in anonymen Ambulatorien und Krankenhausfluren. Wir sollten allerdings darauf achten, dass wir die Solidarität unserer Patienten nicht verscherzen. Unsere Gegner sind Krankenkassen und die derzeitigen Gesundheitspolitiker nicht unsere Patienten.


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