Notfallpatienten

Fehlende Steuerung kostet Milliarden

Die KBV legt eine Studie zu Fehleinweisungen ins Krankenhaus vor. Deren Lobbyverband reagiert prompt.

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BERLIN. KBV-Chef Dr. Andreas Gassen hat die Strukturen kritisiert, in denen die Patienten frei entscheiden könnten, wo sie Notfälle behandeln lassen. Er forderte von der Politik mehr Investitionen in den ambulanten Sektor, eine zielgenauere Krankenhausplanung sowie knapper zugeschnittene Mengenvereinbarungen zwischen Kassen und Kliniken.

Gassen stützte seine Forderungen am Dienstag auf die Ergebnisse einer aktuellen Versorgungsforschungsstudie. Hintergrund sind die Pläne von Bund und Ländern, die ambulante Notfallversorgung stärker an den stationären Sektor anzubinden.

Mehr als fünf Millionen der rund 19 Millionen Krankenhausfälle im Jahr entfallen demnach auf ambulant-sensitive Diagnosen. 3,72 Millionen stationäre Einweisungen im Jahr könnten vermieden werden. Das Sparpotenzial beläuft sich auf 7,2 Milliarden Euro im Jahr, heißt es in der Untersuchung der Münchner Gesundheitsökonomin Professor Leonie Sundmacher im Auftrag des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI).

40 Ärzte in Studie einbezogen

40 Haus- und Fachärzte waren in die Arbeit einbezogen. Herausgekommen ist dabei erstmals ein Katalog von ambulant-sensitiven Klinikfällen. Die darin gelisteten 22 Krankheiten decken nach Auskunft Sundmachers 90 Prozent der ambulant-sensitiven Fälle ab. Das ZI hat damit einen Vorschlag des Sachverständigenrats für die Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen aus dem Jahr 2012 aufgegriffen.

Die größten Effekte könnten demnach bei den Einweisungen aufgrund von Herz-Kreislaufbeschwerden erzielt werden. Bei den knapp 1,2 Millionen Krankenhausfällen im Jahr 2012 aufgrund dieser Diagnosen hätte bei fast 800.000 ambulante Nachsorge ausgereicht. Die an der Studie beteiligten Ärzte haben mit hoher Übereinstimmung eine Verbesserung der kontinuierlichen ambulanten Behandlung als Hauptstrategie zur Vermeidung ambulant-sensitiver Krankenhausfälle genannt.

Der Katalog könne als ständiger Stein des Anstoßes Wirkung im Einweisungsgeschehen entfalten und die Kassen entlasten, sagte der Leiter des ZI, Dr. Dominik Graf von Stillfried, daher bei der Vorstellung der Studie.

Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Georg Baum, deutet die Untersuchung diametral entgegengesetzt. Das Gutachten zeige richtig auf, dass die Bedingungen für die "zeitgerechte und effektive ambulante Erbringung im KV-System nicht gegeben sind", reagierte Baum am Dienstag auf die Veröffentlichung der Untersuchung Sundmachers.

Aus der Potenzialanalyse könne nur der Schluss gezogen werden, dass die ambulanten Behandlungsmöglichkeiten der Krankenhäuser deutlich stärker genutzt werden müssten. Baum räumte ein, dass unbestritten mehr Leistungen ambulant erbracht werden könnten, wenn die ambulanten Leistungserbringungsstrukturen dies ermöglichten. (af)

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