Fehlende junge Ärzte bereiten Sorgenfalten

Der anhaltende Medizinerschwund macht dem Bundesverband Deutscher Internisten immer größere Sorgen. Lösungen seitens der Politik lassen auf sich warten.

Von Sunna Gieseke Veröffentlicht:

BERLIN. Der Bundesverband Deutscher Internisten (BDI) ist vom sich zuspitzenden Ärztemangel in Deutschland alarmiert. Vor dieser Tatsache könnten auch Politik und Krankenkassen nicht mehr die Augen verschließen, sagte BDI-Chef Dr. Wolfgang Wesiack anlässlich des 3. Internistentages in Berlin. Er zeigte sich überzeugt, dass es in absehbarer Zeit zu wenige Ärzte geben werde.

Wesiack bezog sich auf eine kürzlich vorgestellte Studie zur Arztzahlentwicklung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und Bundesärztekammer (BÄK). Demnach werde es bis zum Jahr 2020 voraussichtlich 7000 Hausärzte weniger geben. Allein im ambulanten Bereich müssten rund 51 800 Ärzte ersetzt werden, darunter knapp 24 000 Hausärzte. Dies sei vor allem der demografischen Entwicklung geschuldet, betonte Wesiack. Auch steige in einer alternden Gesellschaft die Morbidität und damit der Bedarf an ärztlichen Leistungen.

Gleichzeitig werden auch die Ärzte selber immer älter, ergänzte BDI-Vize Dr. Wolf von Römer. Dieser Trend sei schon in den letzten Jahren vorhersehbar gewesen und habe sich nun dramatisch fortgesetzt. Das Durchschnittsalter der niedergelassenen Ärzte ist von 47,5 Jahren (1993) auf 52,1 Jahre (2009) angestiegen. Der Anteil der berufstätigen Ärzte unter 35 Jahren sei von 24,8 Prozent (1993) auf 16,6 Prozent im Jahr 2009 gesunken.

Auch in der Klinik sei die Situation nicht besser. Etwa 80 Prozent der Krankenhäuser könnten offene Stellen nicht mehr besetzen. Das bedeute, dass rund 5000 Stellen im stationären Bereich unbesetzt blieben. Neueste Berechnungen belegten aber, dass künftig in Praxis und Klinik das Arbeitsaufkommen um 20 Prozent steigen werde.

Verschiedene Aspekte führten zudem dazu, dass Ärzte heutzutage weniger Arbeitszeit für ihren Beruf aufwenden können. Zum einen dürfe durch das Arbeitszeitgesetz weniger gearbeitet werden. Zum anderen hätten vor allem junge Ärzte andere Vorstellungen von ihrer Lebensplanung.

Diese Aspekte forderten ebenso wie die demografische Entwicklung der Bevölkerung aktives Handeln seitens der Politik. "Und daran fehlt es", kritisierte von Römer. Der BDI forderte daher die Politik auf, "sich ernsthaft diesem die gesamte Bevölkerung betreffenden Problems" anzunehmen. "Wir müssen sichere Arbeitsplätze, gute Arbeitsbedingungen, ausreichende Vergütung schaffen, sonst bricht uns die ärztliche Versorgung weg", so von Römer.

Dem stimmte auch BÄK-Vize Frank-Ulrich Montgomery zu. Er betonte, dass auch aufgrund des medizinischen Fortschritts mehr Ärzte benötigt werden. Auch sei der Anteil der Frauen im Beruf deutlich gestiegen. Daher stehe die Ärzteschaft vor einem "gravierenden Strukturwandel" - er empfahl, den Begriff "Feminisierung" in diesem Zusammenhang zu vermeiden. Allerdings verändere sich durch Elternzeit und Teilzeitarbeitswunsch die Präsenz der Frauen am Arbeitsplatz. Aus diesen Gründen müssten die Arbeitsbedingungen in der Medizin der heutigen Zeit angepasst und familienfreundlicher werden.

Aber auch die Ärzteschaft selbst sei in der Pflicht, etwas zu ändern: Um den Nachwuchs zu motivieren, den Beruf des Arztes zu ergreifen, müssten die Studien- und Weiterbildungsbedingungen verbessert werden, so Montgomery. "Die jungen Kollegen müssen künftig wissen, dass sie ihre Weiterbildung in einer überschaubaren Zeit qualitativ gut durchlaufen könnten", stimmte auch von Römer zu.

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