Negativtrend

Forschung und Lehre bei Diabetes erodieren

Fachgesellschaft beklagt stark abnehmendes Wissen über Diabetes.

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BERLIN. Nur noch acht von 38 Medizinfakultäten verfügen über einen eigenen Lehrstuhl für Endokrinologie und nur noch wenige Dutzend Chefärzte praktizieren in diesem Fach mit einer eigenen Abteilung in den mehr als 2000 deutschen Krankenhäusern. Der seit Jahren zu beobachtende Negativtrend führe dazu, dass im Studium zu wenig Grundkenntnisse der Diabetologie vermittelt werden und dass es zu wenig Ärzte mit einer umfassenden Befugnis zur Weiterbildung gebe, kritisierte der Präsident der Deutschen Diabetes-Gesellschaft, Professor Dirk Müller-Wieland, bei dem von Novo Nordisk veranstalteten Symposion „Diabetes 2030“ in Berlin.

Es bestehe „akuter Handlungsbedarf“ innerhalb der nächsten zwölf Monate, ein Beschluss über eine Nationale Diabetesstrategie durch den Bundestag könne nicht mehr abgewartet werden, sagte Müller-Wieland der „Ärzte Zeitung“. Entscheidend sei der Wiederaufbau von W3-Lehrstühlen mit Direktionsrecht. Nur so könne dem Nachwuchs signalisiert werden, dass es in der Diabetologie auch Karrierechancen gebe. Die Kapazitäten für die ärztliche Weiterbildung müssten aufgestockt werden.

„Die Situation in Deutschland treibt uns um“, bekannte Gesundheitsstaatssektretär Lutz Stroppe bei dem Symposion: Nach neuesten Daten des Robert Koch-Instituts liegt die Gesamtzahl der Diabetiker bei sieben Millionen, bei unveränderter medizinischer Versorgung können es 2040 zwischen 10,7 und 12,3 Millionen sein. Parlament und Bundesregierung seien in einem Dialog zur Bildung der Prioritäten für eine Diabetesstrategie. Dafür habe das Gesundheitsministerium einen eigenen Haushaltstitel erhalten.

Um eine evidenzbasierte Strategie zu entwickeln, will das BMG dazu auf der Diabetes-Surveillance des RKI aufbauen. Notwendig dazu sei, das derzeit sehr heterogene Datenmaterial für eine solide politische Entscheidung aufzubereiten. Diese Vorgehensweise werde auch Vorlage für Strategien gegen andere nichtübertragbare Krankheiten sein. Deutschland sei dabei in die Agenda der Vereinten Nationen eingebunden, bis zum Jahr 2030 im Kampf gegen Diabetes Erfolge zu erzielen.

Bis zum Sommer dieses Jahres wolle die Bundesregierung eine Lebensmittel-Kennzeichnung vorlegen. Geplant sei ferner eine nationale Präventionskonferenz. Das Präventionsgesetz bietet nach Auffassung von Stroppe den Rahmen, relevante Zielgruppen in Kitas, Schulen, am Arbeitsplatz und in Pflegeeinrichtungen zu erreichen.

Die Grundidee des Bundesgesundheitsministeriums bewertet Müller-Wieland als „sehr konstruktiv“. Andererseits gebe es „erschreckend wenig Neues“. Er fordert ein Set von Prioritäten, unter anderem bei wirksamen Maßnahmen zur Verhältnisprävention. Aufklärung über gesunde Ernährung allein werde nicht reichen. (HL)

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