Arzneimittelpolitik

GKV - Wettbewerb mit vielen Fragezeichen

Mehr Wettbewerb im Gesundheitssystem stößt bei vielen Akteuren auf Vorbehalte. Gerade in der Medizin liege aber ein großer Zukunftsmarkt, glaubt Frank-Ulrich Montgomery, Vize-Präsident der Bundesärztekammer.

Von Sunna Gieseke Veröffentlicht: 05.10.2010, 05:00 Uhr
GKV - Wettbewerb mit vielen Fragezeichen

Mehr Wettbewerb im Gesundheitssystem: Nach Ansicht von BÄK-Vize Montgomery muss dazu der Blick auf junge Ärzte gerichtet werden.

© INSADCO / imago

BERLIN. Eine Liberalisierung des Gesundheitssystems findet nicht bei allen Ärzten und Kassen positive Resonanz: Nach Ansicht von BÄK-Vize Dr. Frank-Ulrich Montgomery haben viele Ärzte nicht die Chance in diesem Vorhaben erkannt. "Die meisten Ärzte haben bisher nicht verstanden, dass Märkte sehr unterschiedlich sein können", betonte Montgomery bei der Veranstaltung "Deutscher Gesundheitsmarkt 2010" am Montag in Berlin. Jeder Markt habe seine eigenen Gesetze: Der Gesundheitsmarkt sei eine "Sozialmarktwirtschaft": Einen Markt ohne "Verantwortung und Regulation" könne es nicht geben. "Gleichwohl bleibt es ein Markt", so Montgomery.

Die Medizin ist seines Erachtens nach ein "gewaltiger Zukunftsmarkt" und biete künftig viele Beschäftigungsmöglichkeiten. Allerdings drohe diesem Markt ein Ärzte- und Pflegekräftemangel, dadurch käme es schon bald zu einer "Marktstörung". "Wir werden den wachsenden Bedarf mit eigenen Fachkräften kaum noch decken können", warnte Montgomery. Die Aufgabe des Gesundheitsmarktes werde es sein, "den Blick auf die jungen Ärzte zu richten". Dabei müsse geprüft werden, wie der Arztberuf für den medizinischen Nachwuchs attraktiver gestaltet werden könne. "Wir stehen in der Medizin vor einem Generationswechsel", prognostizierte Montgomery.

Viele junge Ärzte wollten beim "Arbeiten leben" und nicht mehr "arbeiten, um zu leben". Doch das könnten viele Krankenhäuser noch nicht umsetzen. Vor allem müssten strukturelle Fragen geklärt werden, betonte der BÄK-Vize. Dazu gehörten die bessere Verzahnung von vertragsärztlicher und stationärer Versorgung sowie eine neue Gebührenordnung. Nur damit erhielten Ärzte mehr Planungssicherheit.

Mehr Wettbewerb als alleiniger Regulationsmechanismus stößt auch bei einigen Kassenarten auf Widerstand. Im geplanten Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) soll das Wettbewerbsrecht partiell auch auf die GKV übertragen werden. Die AOK fürchtet, dass dies die Rabattverträge lahmlegen könnte (wir berichteten). Anders sehen dies unternehmensnahe Betriebs- und Innungskassen. Aus ihrer Sicht würde das Wettbewerbsrecht ein Garant dafür sein, dass marktstarke Krankenkassen ihre Macht im Wettbewerb nicht missbräuchlich nutzen können. Die Kassen hatten daher bei der Anhörung zum AMNOG keine einheitliche Bewertung zu diesem Punkt formuliert.

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