Erstes Halbjahr

GKV rutscht ins Minus

Auch das AOK-System verbucht ein Defizit im zweiten Quartal. Kassen warnen vor einem Ausgabenschub.

Veröffentlicht:

BERLIN. Die vier mitgliederstarken Kassenarten haben das zweite Quartal mit einem Minus in Höhe von rund 358 Millionen Euro abgeschlossen. Dabei verbuchte auch das AOK-System nach einer langen Phase stetiger Überschüsse erstmals wieder ein Defizit von 67 Millionen Euro. Nach dem ersten Quartal hatte noch ein Überschuss von 89 Millionen Euro in der Bilanz der AOK-Familie gestanden.

Dennoch sprach Martin Litsch, Vorstandschef des AOK-Bundesverbands, nicht von einer „wirtschaftlichen Eintrübung“. Vielmehr sei die Einnahmesituation der GKV weiterhin „äußerst robust“. Das Ergebnis verdanke sich vielmehr „Sondereffekten“: etwa politisch gewünschte Senkungen des Zusatzbeitrags oder Ausgabenschüben etwa durch das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz.

Die 320 Millionen Euro, die von der GKV hierfür bisher zur Verfügung gestellt wurden, gäben einen „Vorgeschmack auf den Ausgabenanstieg, der durch geplante oder beschlossene Reformen zu erwarten ist“, so Litsch.

Die Ersatzkassen schließen das erste Halbjahr mit einem Defizit von 297 Millionen Euro. Damit hat sich das Minus, das nach den ersten drei Monaten aufgelaufen war (151 Millionen Euro), praktisch verdoppelt. Die Leistungsausgaben hätten sich mit 4,81 Prozent deutlich dynamischer entwickelt als die Einnahmen mit 3,66 Prozent. Besonders stark fällt das Ausgabenplus bei Heilmitteln (11,9 Prozent) und bei Ärzte-Honoraren (4,9 Prozent) aus, berichtet der vdek. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2018 hatten die Honorare nur um 2,06 Prozent zugelegt.

Bei den Betriebskassen stand nach dem ersten Quartal ein Minus von rund 60 Millionen Euro in der Bilanz. Zur Jahresmitte hat sich das Defizit auf 126 Millionen Euro ausgeweitet.

Noch schneller ist das System der Innungskassen in die roten Zahlen gerutscht. Nach einem moderaten Minus von 16 Millionen Euro im ersten Quartal verzeichnet die IKKen nach sechs Monaten – anders als irrtümlich von der „Ärzte Zeitung“ gemeldet – ein Defizit von 95 Millionen Euro.

Der Wettbewerbsdruck zwischen den Kassenarten nehme angesichts der Ausgabenschübe durch die vielen Gesetze zu, sagte vdek-Verbandschefin Ulrike Elsner. Sie mahnte, das sogenannte Faire Kassenwahl-Gesetz (FKG) rasch in den Bundestag einzubringen – ohne Abstriche. (fst)

Mehr zum Thema

Klinischer Nutzennachweis nötig

Moderne Wundversorgung: Die langsamen Mühlen des GBA

Stiftung Münch

Datenschutzrechtlicher Spielraum bei E-Akte bislang ungenutzt

Schlagworte
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Gekommen, um zu bleiben: Videosprechstunden sind erst mit Beginn der Pandemie von Vertragsärzten häufiger genutzt worden. Seither hat sich die Anzahl abgerechneter Videosprechstunden auf niedrigem bis mittlerem sechsstelligem Niveau im Monat eingependelt.

© Monika Skolimowska / dpa / pictu

Aktuelle Zi-Zahlen

Videosprechstunden auch 2021 auf erhöhtem Niveau

In vielen Kliniken bleibt kaum Zeit für die Weiterbildung, beklagen die jungen Ärzte.

© fizkes / stock.adobe.com

MB-Barometer offenbart

Ärztliche Weiterbildung in vielen deutschen Kliniken ein Fiasko!

Die Preisfindung bei neuen Arzneien soll nach dem Willen der Krankenkassen reformiert werden.

© peterschreiber.media / stock.adobe.com

Forderung an Politik

AOK will veränderte Regeln für Preisfindung neuer Arzneimittel