Pflegeausbildung

Generalistik sorgt im Bundestag für Unmut

Der Bundestag hat am Freitag das Pflegeberufsgesetz in erster Lesung beraten. Die Kritik war laut - ein weiteres Mal.

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BERLIN. Die Argumente, die vorgetragen wurden, waren keine neuen. Doch die gewählten Worte vieler Abgeordneter sorgten bei der ersten Lesung des Pflegeberufsgesetzes im Bundestag am Freitag für Unmut.

So nannte Pia Zimmermann (Linke) das Gesetz, das Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zum Auftakt ein weiteres Mal vehement gegen Kritik verteidigte, ein "Schmalspurgesetz, das den Herausforderungen nicht gerecht wird". "Die Generalistik mutiert zur Eier legenden Wollmilchsau", attestierte Elisabeth Scharenberg (Grüne).

Das Gesetz sieht unter anderem vor, die Ausbildungsinhalte künftig allen Pflege-Auszubildenden gemeinsam zu vermitteln - unabhängig vom gewählten Schwerpunkt in Alten-, Kranken- oder Kinderkrankenpflege.

Dass Grüne und Linke ihre Ablehnung gegen die Generalistik so scharf formulierten, gefiel nicht: So mahnte Maria Michalk, gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, zur sachlichen Debatte.

Und SPD-Gesundheitsexperte Professor Karl Lauterbach sagte im Anschluss an die Lesung, dass er sich die scharfe Kritik nur mit mangelnder Kenntnis und Unwissenheit erklären könne.

Nur bessere Bezahlung bringt die Lösung

Hauptkritikpunkt war wie erwartet, dass nicht die generalistische Ausbildung, sondern nur eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und höhere Löhne mehr Menschen für die Pflege interessieren können.

Nur eine bessere Bezahlung - vor allem in der Altenpflege - könnte den Fachkräftemangel auf Dauer lösen. Dies gelte jedoch für alle sozialen Berufe, betonte Elke Ferner, Parlamentarische Staatssekretärin im Familienministerium.

"Warum ist das Heben eines Steines bei uns mehr Wert als das Heben eines Menschen?", fragte sie empört.

Sie sieht das Pflegeberufsgesetz jedoch als Chance, Druck auf die Arbeitgeber in der Altenpflege auszuüben. Ein Punkt, in dem Lauterbach zustimmt: Die "massive Mobilisierung" gegen das Gesetz vor allem durch private Pflegeanbieter begründet er mit der Angst, Löhne anheben zu müssen.

Dass die Bezahlung allein einen Beruf nicht attraktiver machen könne, erklärte Dr. Carola Reimann (SPD). "Soziale Berufe und Karrierechancen, das darf sich nicht mehr ausschließen", sagte sie.

Lauterbach will Gesetz durchboxen

Aktuell sei die Ausbildungsqualität in allen drei Pflegebereichen schlecht, so Lauterbach. So überlappten sich die Curricula erheblich, die Lehrinhalte in der Kinderpflege seien veraltet.

Aktuelle Herausforderungen wie spezifische Erkrankungen von Kindern mit Migrationshintergrund oder in der Kinderonkologie seien nicht enthalten, berichtete er am Freitagvormittag.

Der Anspruch an die Auszubildenden steige nun mit der Reform, "doch das ist dringend nötig". "Die Prüfungsordnung war viel zu lax", kritisierte Lauterbach. "Damit stelle ich nicht fest, ob komplexe Inhalte verstanden wurden."

Der erste Ausbildungsjahrgang nach der Reform ist für 2018 geplant, könnte sich jedoch auf 2019 verschieben. "Wir werden das Gesetz gegen viel Widerstand durchbringen müssen", sieht Lauterbach kommen. (jk)

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