Krebsprävention durch Kommunikation
Zu Krebs halten sich Mythen und Irrtümer hartnäckig – Aufklärung tut not
Krebs durch Deos? Alkohol ein Krebsrisikofaktor? Viele Menschen wissen wenig über die Risikofaktoren für Krebs. Und einige Krebsmythen halten sich hartnäckig, wie beim Krebskongress zu hören war.
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In Sachen Risikofaktoren für Krebs gibt es relevante Wissenslücken, offenbart eine Umfrage unter Bürgerinnen und Bürgern. Mit einer guten Kommunikation lässt sich die Krebsprävention verbessern. (Symbolbild)
© Siphosethu F / peopleimages.com / Stock.adobe.com
Deutschland schöpft die Möglichkeiten von Krebsprävention und Krebsfrüherkennung noch nicht ansatzweise aus. „Etwa 40 Prozent aller Krebsfälle sind durch Prävention vermeidbar, und etwa 60 Prozent aller Krebstodesfälle durch Prävention und Früherkennung“, sagte Professor Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) am Freitag beim Krebskongress (DKK) in Berlin.
Trotz dieses enormen Potenzials werde die Prävention im deutschen Gesundheitswesen sträflich vernachlässigt: „Andere Länder liegen da weit vor uns“, sagte Baumann.
NCPC soll Forschung und Implementierung voranbringen
Die Krebsprävention und die Implementierung von Präventionsmaßnahmen voranbringen will das 2019 gemeinsam von DKFZ und Deutscher Krebshilfe (DKH) zusammen mit Sponsoren aus der Taufe gehobene Nationale Krebspräventionszentrum (NCPC). Es bezieht demnächst einen attraktiven Neubau in Heidelberg, der schon beim Betreten illustrieren soll, was Prävention bedeutet.
Mittlerweile, so Baumann, seien zahlreiche neu geschaffene, präventionsbezogene Professuren besetzt worden. Und eine Reihe von Programmen wurde gestartet, die die Prävention – und insbesondere die Forschung zu Prävention und Präventionsimplementierung – auf unterschiedlichen Ebenen voranbringen sollen.
Ein Beispiel sind Awareness-bezogene Aktivitäten wie eine Summer School für Medizinstudierende. Außerdem gibt es eine Graduate School für junge Forscherinnen und Forscher mit Ambitionen im Bereich Prävention.
Im Rahmen dieser Graduate School entstand u.a. die CLARO-Studie, die die DKFZ-Wissenschaftlerin Mona Illmann beim Deutschen Krebskongress in Berlin vorstellte. Über 1200 Bürgerinnen und Bürger wurden zu Krebsrisikofaktoren, zu angeblichen Risikofaktoren („Krebsmythen“) sowie zu ihrem Informationsverhalten in Sachen Prävention befragt.
Wissen um Risikofaktoren ist ausbaufähig
Die Ergebnisse sind spannend, und sie haben praktische Konsequenzen für die Präventionskommunikation. Eine wichtige Erkenntnis: In Sachen Risikofaktoren für Krebs gibt es relevante Wissenslücken.
Zwar weiß die große Mehrheit, dass Rauchen und UV-Strahlung Krebs verursachen. Dass Alkohol und Bewegungsmangel potenziell kanzerogen sind, ist dagegen weniger bekannt.
Und sehr große Wissenslücken gibt es bei medizinischen Risikofaktoren wie Adipositas, COPD oder HPV-Infektion, außerdem bei ernährungsassoziierten Krebsrisiken wie zu viel rotes Fleisch, zu wenige Ballaststoffe oder zu fett-/zuckerreiche Nahrung.
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Ebenfalls nicht besonders gut ist das Wissen um Krebsmythen. Nur drei von zwölf abgefragten Mythen – Krebs durch körperliche Verletzungen, durch Mikrowellen und durch Smartphone-Gebrauch – wurden von mehr als der Hälfte der Befragten korrekt erkannt.
Neun Mythen wurden dagegen nur von einer Minderheit als solche identifiziert, darunter Klassiker wie „Krebs durch Stress“, „Krebs durch Deodorants“ und „Krebs durch gentechnisch veränderte Nahrungsmittel“. Interessant dabei war, dass ein höheres Wissen um echte Risikofaktoren nicht mit einer geringeren, sondern eher mit einer höheren Anfälligkeit für Mythen korrelierte.
Illmann sieht das als Ausdruck einer für die Präventionskommunikation wenig förderlichen Tendenz, in allem und jedem eine mögliche Krebsursache zu sehen.
Nationaler Präventionsgipfel jetzt jedes Jahr
Die Prävention in Deutschland voranbringen sollen auch neue Veranstaltungsformate wie die schon seit einigen Jahren von NCPC und Deutscher Krebsgesellschaft (DKG) gemeinsam ausgerichtete Krebspräventionswoche.
Im November 2025 gab es zudem erstmals den von DKFZ und DKH ausgerichteten Nationalen Präventionsgipfel, der jetzt jährlich stattfinden soll. Kernforderungen des Gipfels im November waren:
- eine Verankerung der Prävention als ressort- und politikübergreifende Querschnittsaufgabe,
- mehr Austausch und Vernetzung von Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft,
- stärkere Verhältnisprävention bei den Themen Tabak, Alkohol und Zucker,
- eine systematische Einbeziehung von Schulen in Präventionsbemühungen,
- mehr Engagement für einen niedrigschwelligen, zielgruppengerechten Zugang zu Präventionsangeboten. (gvg)











