Apotheken

Getrennt marschieren, vereint einkaufen

Immer mehr Offizinbetreiber sind Mitglied einer Einkaufsgemeinschaft - und immer mehr fühlen sich darin gut aufgehoben.

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BAD HOMBURG. Kettenbildung scheuen die Apotheker wie der Teufel das Weihwasser - doch lockeren Zusammenschlüssen sind die bundesdeutschen Offizinbetreiber so wenig abhold wie nie zuvor.

Nach Angaben der Unternehmensberatung Sempora sind inzwischen knapp 80 Prozent der Apotheker Mitglied in einer Einkaufs- und/oder Markenkooperation. Zum Vergleich: Im Herbst vorigen Jahres waren nach Angaben von IMS Health rund 65 Prozent der Apotheker unter dem Dach irgendeiner Franchise-Zentrale miteinander verbunden.

Wichtigstes Kriterium für den Beitritt sind wie eh und je Einkaufsvorteile. 91 Prozent der von Sempora aktuell, das heißt im Dezember 2013 und Januar 2014 befragten, 376 Apothekenleiter gaben dies an.

Und was dieses Erfolgskriterium betrifft, scheinen die Systemzentralen gegenüber früheren Umfragen offenbar noch einmal eine ordentliche Schippe draufgelegt zu haben: 60 Prozent der selbständigen Pharmazeuten erklärten sich mit ihrer Kooperation "sehr zufrieden".

Industrie nach wie vor nicht überzeugt

Derart enthusiastisch gaben sich bei der vorjährigen Sempora-Befragung erst 46 Prozent und im Vergleichszeitraum davor wiederum nur 34 Prozent.

Zu den beliebtesten Bündnissen zählen demnach der Dachmarkenverbund "Linda", die dem Großhändler Phoenix nahestehende Einkaufsgemeinschaft MVDA, die Pharmahandelsgenossenschaft Noweda sowie das Einkaufs- und Dachmarkenbündnis "Gesund leben" des Stuttgarter Großhändlers Gehe.

Gegenüber Arzneimittelherstellern haben die Apothekenkooperationen jedoch nach wie vor ein Performanceproblem. Von 24 Entscheidern aus der Industrie, die Sempora ebenfalls befragt hatte, äußerten zwei Drittel die Ansicht, "dass individuelle Außendienstbetreuung wirkungsvoller ist als zentral vereinbarte Marketingaktivitäten mit Apothekenkooperationen".

Soll heißen, die Zugeständnisse an die Systemzentralen rentieren sich nicht, weil sich nicht genug Apotheker an gemeinsamen Verkaufsaktionen beteiligen. Aus früheren Befragungen sind gleichlautende Aussagen bekannt.

Das nährt die Vermutung, dass die Großhändler die Einkaufsvorteile der Offizin-Verbünde weiterhin vor allem aus der eigenen Marge finanzieren. (cw)

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