Berufspolitik

Grünenthal geht auf Geschädigte zu

HAMBURG/AACHEN (dpa /ddp). Der Grünenthal-Chef Sebastian Wirtz geht auf die durch Thalidomid (Contergan®) Geschädigten zu. Wirtz schließt ein Treffen mit Betroffenen nicht aus. Eine britische Gruppe will neue Entschädigungszahlungen und einen weltweiten Entschädigungsfonds.

Veröffentlicht: 12.11.2007, 05:00 Uhr

Nach Informationen von dpa hat sich Unternehmens-Chef Wirtz erstmals in einem Brief an einen Betroffenen gewandt und ein Treffen in Aussicht gestellt. Der an ihn gerichtete Brief sei "sehr einfühlsam" geschrieben", sagte der durch Contergan® geschädigte Pressefotograf Christian Knabe aus München nach Erhalt des Briefes. Auf Wunsch von Wirtz solle es ein Treffen in privatem Rahmen geben.

In einem Interview mit den "Aachener Nachrichten" und der "Aachener Zeitung" (Samstagausgabe) sagte Wirtz, er habe einen "Riesenrespekt" vor den Geschädigten. "Es tut mir furchtbar leid, was ihnen passiert ist."

Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" soll es demnächst eine internationale Kampagne zugunsten neuer Entschädigungszahlungen geben. Eine britische Opfergruppe um den Unternehmer Nicholas Dobrik wolle einen weltweiten Entschädigungsfonds in Milliardenhöhe. Dobrik sei es vor zwei Jahren gelungen, mit einer Kampagne den Getränkekonzern Diageo zu höheren Zahlungen zu zwingen.

Der Konzern ist die Nachfolgegesellschaft des britischen Contergan®-Lizenznehmers. Die Geschädigten bekommen dort demnach durchschnittlich etwa 2100 Euro pro Monat. Die Geschädigten in Deutschland erhielten 121 bis 545 Euro, je nach Schwere ihrer Behinderung. Eine Sprecherin von Grünenthal verwies darauf, dass das Unternehmen 1972 bereits 110 Millionen D-Mark zum deutschen Contergan®-Fonds beigesteuert hatte.

Das zunächst rezeptfreie Mittel kam am 1. Oktober 1957 auf den Markt und verursachte Missbildungen bei Neugeborenen. Weltweit waren etwa 10 000 Kinder betroffen. Am 27. November 1961 wurde das Schlafmittel vom Markt genommen. Nach Angaben des Bundesverbands Contergangeschädigter kamen in der Bundesrepublik Deutschland etwa 5000 geschädigte Kinder zur Welt.

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