Bertelsmann-Stiftung

Gynäkologen wehren sich gegen Vorwürfe

Sind Schwangere in Deutschland überversorgt? Ja, befand die Bertelsmann-Stiftung in einer aktuellen Studie. Jetzt melden sich Frauenärzte zu Wort.

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Sind Schwangere in Deutschland überversorgt?

Sind Schwangere in Deutschland überversorgt?

© Sven Bähren / Fotolia.com

MÜNCHEN. In einer gemeinsamen Mitteilung zur Bertelsmann-Studie "Zusatzangebote in der Schwangerschaft" nehmen der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) Stellung zum Vorwurf, Schwangere seien in Deutschland überversorgt.

"Es ist richtig, dass viele Schwangere mehr diagnostische Leistungen erhalten als in den Mutterschaftsrichtlinien vorgesehen ist. Das liegt unter anderem daran, dass es heute mehr Möglichkeiten gibt als in den Richtlinien vorgegeben, und dass die gesetzlichen Krankenkassen bisher nur die Kosten für Leistungen übernehmen, die auch wirtschaftlich sind", heißt es in der Mitteilung.

Alle Leistungen evidenzbasiert

BVF und DGGG weisen darauf hin, dass beinahe alle der von Frauenärzten in der Schwangerschaft angebotenen diagnostischen Leistungen wie Ersttrimesterscreening, Toxoplasmose- und Cytomegalietestungen durchaus evidenzbasiert seien, auch wenn sie nicht Bestandteil der Mutterschaftsrichtlinien seien.

Experten fürchten, auf diese Weise werde Schwangerschaft immer mehr als etwas Krankhaftes und Behandlungswürdiges angesehen. Es schüre die Angst der Frauen vor der Geburt und somit "möglicherweise auch ihren Wunsch nach einer vermeintlich sicheren Kaiserschnitt-Entbindung", sagte Studienautorin Rainhild Schäfers von der Bochumer Hochschule für Gesundheit.

Auch die CDU-Gesundheitspolitikerin Maria Michalk betonte: "Schwanger zu sein ist keine Krankheit. Deshalb halte ich wenig davon, immer wieder neue und weitere Untersuchungen zu machen."Dass häufige Ultraschallaufnahmen in der Schwangerschaft die Kaiserschnittrate erhöhen würden, bezeichnen die Gynäkologen als "eine gewagte Hypothese".

Die Mutterschaftsvorsorge der vergangenen 50 Jahre habe dazu geführt, dass die perinatale Mortalität um den Faktor zehn, die mütterliche um ein Vielfaches mehr gesunken sei. Ein Kurswechsel würde die gesundheitliche Versorgung der Schwangeren und ihrer Babys mit Sicherheit verschlechtern, heißt es. (eb)

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