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Schwere Vorwürfe

Hätte Madrid 7.291 Corona-Tote in Altenheimen verhindern können?

200 Hinterbliebene von COVID-Opfern haben eine Sammelklage gegen die konservative spanische Regionalregierung eingereicht.

Manuel MeyerVon Manuel Meyer Veröffentlicht:
Sieht sich harter Kritik ausgesetzt: Die Präsidentin der Regionalregierung von Madrid, Isabel Díaz Ayuso.

Sieht sich harter Kritik ausgesetzt: Die Präsidentin der Regionalregierung von Madrid, Isabel Díaz Ayuso.

© picture alliance / Sipa USA | Oscar Gonzalez

Madrid. Vor genau fünf Jahren, am 14. März 2020, rief Spanien im Zuge der Corona-Pandemie den landesweiten Notstand aus. In Europa wurde kaum ein Land derart hart von der ersten COVID-19-Welle getroffen wie Spanien. Während Deutschland erst wenige Opfer beklagen musste, waren Spaniens Bestattungsinstitute mit täglich bis zu 800 Todesopfern bereits völlig überfordert.

Besonders dramatisch wütete das Virus in den Altenheimen mit fast 30.000 Opfern. Jetzt, fünf Jahre später, bricht in der Hauptstadtregion Madrid allerdings eine hitzige Debatte darüber aus, ob zwischen März und April 2020 Tausende COVID-Todesfälle hätten verhindert werden können. In einer Sammelklage werfen 200 Hinterbliebene von Opfern der konservativen Madrider Regionalregierung von Isabel Díaz Ayuso vor, dass diese 7.291 Altenheimbewohner ohne ärztliche Versorgung, ohne Angehörige und teils auch ohne irgendeine Begleitung einsam habe sterben lassen.

Bestimmte Altenheimbewohner sollten nicht in Krankenhäuser gebracht werden

Tatsächlich ordnete Ayuso damals an, keine Altenheimbewohner mit COVID-Symptomen in die überfüllten Krankenhäuser bringen zu lassen. Vor allem wenn es sich um Personen mit eingeschränkter Mobilität wie etwa Rollstuhlfahrer oder Menschen mit schweren kognitiven Beeinträchtigungen handelte. Ausnahmen waren Altenheimbewohner mit privaten Kranken- und Pflegeversicherungen.

Die polemische Rechtfertigung der konservativen Regionalpräsidentin Ayuso, die älteren und wahrscheinlich mit COVID infizierten Menschen wären auch im Krankenhaus gestorben, animierte nun sogar Spaniens sozialistische Gesundheitsministerin Mónica García zu öffentlicher Kritik. In Reaktion auf die bereits als „Protokolle der Scham“ bekannte Vorgehensweise der Madrider Regionalregierung stellte García am Freitag in einem Interview im Staatsfernsehen TVE klar, Ayuso habe „die älteren Menschen in Pflegeheimen vollkommen im Stich gelassen“, indem man sie nicht in Krankenhäuser verlegt habe.

Im Clinch mit der spanischen Gesundheitsministerin

Natürlich habe es damals keine Impfungen gegeben. Man konnte wenig machen. Aber die Überlebenschancen wären mit ärztlicher Hilfe höher gewesen. „Die Menschen in den Altenheimen ohne jegliche medizinische Betreuung sich selber zu überlassen, ist unmenschlich gewesen“, stellte Spaniens Gesundheitsministerin klar, die sich damals als Anästhesistin selber in einem öffentlichen Madrider Krankenhaus um COVID-Erkrankte kümmerte. „Es besteht ein großer Unterschied zwischen dem Sterben durch Ertrinken und dem Sterben unter Narkose“, so Mónica García.

Auch in den Altenheimen anderer Regionen wie in Katalonien oder Kastilien-Leon habe es Zigtausende COVID-Tote in Altenheimen gegeben. Aber keine Region habe angeordnet, Altenheimbewohner nicht in Krankenhäuser zu überweisen, weshalb Madrid die höchste COVID-Sterberate in ganz Europa gehabt habe, so Spaniens Gesundheitsministerin.

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