Diskussion ohne Ärzte

KBV-Vorstand kritisiert Impf-Debatte des Bundespräsidenten: „Eine Groteske“

Über die Corona-Impfung und mit Impfgegnern diskutieren ohne Ärzte? Das stößt dem KBV-Vorstand sauer auf.

Veröffentlicht:
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (M) diskutiert mit Gästen im Schloss Bellevue, sowie digital zugeschalteten Teilnehmerinnen und Teilnehmern, über das Für und Wider einer Impfpflicht zur Überwindung der Covid-19-Pandemie in Deutschland. Zu den Gästen zählen Menschen, die sich in Briefen an den Bundespräsidenten gewendet und darin erklärt haben, warum sie eine allgemeine Impfpflicht ablehnen bzw. befürworten würden, sowie Bürgerinnen und Bürger, die in ihren Berufen in den zurückliegenden

Diskurs im Schloss Bellevue am Mittwoch: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier diskutiert mit Bürger über die allgemeine Impfpflicht.

© Bernd von Jutrczenka / dpa

Berlin. „Als Groteske“ hat der Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) die Diskussionsrunde von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier über die Impfpflicht kritisiert. „Dass der Bundespräsident zum Dialog lädt und die Ärzte nicht dabeihat, war clownesker Höhepunkt der Debatte“, sagte der stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Stephan Hofmeister im Interview mit der „Ärzte Zeitung“ (Freitag).

Zu Wort seien stattdessen auch Impfgegner gekommen „mit ihren an den Haaren herbeigezogenen (…) Einwänden“, so Hofmeister. „Die können nun sagen, sie hätten das beim Präsidenten vorgetragen und sie seien nicht widerlegt worden. Eine Groteske.“

Steinmeier hatte am Mittwoch Bürgerinnen und Bürger zur Diskussion über das Für und Wider einer Impfpflicht geladen. KBV-Chef Dr. Andreas Gassen kritisierte in dem Interview: „Das Beispiel zeigt, wie ignorant die Politik manchmal unterwegs ist.“

Statt der „Scheindebatte“ über die allgemeine Impfpflicht fordern die KBV-Vorstände eine Diskussion über Wege aus der Pandemie. „Ich will endlich von Verantwortlichen hören, ab welchen Parametern wir die Corona-Maßnahmen zurückfahren. Ab welcher Impfquote hören wir denn auf, Maske zu tragen?“, so Hofmeister. (eb)

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Gunthram Heidbreder

Wer bemängelt, dass der Bundespräsident zu seiner Gesprächsrunde über Impfpflicht keine Ärzte eingeladen habe, verkennt, welche Absichten er damit verband. Es ist meines Erachtens der Versuch, den Impfgegnern, die noch einigermaßen dialogbereit sind, das Gefühl zu vermitteln, dass sie gehört, nicht ausgegrenzt werden. Auch wenn man sich deren Sichtweise nicht zu eigen macht. Das betrifft sicher nur eine Minderheit unter den Impfgegnern, aber ist es einen Versuch wert, sie nachdenklich zu machen, vielleicht sogar zu überzeugen. Ärzte gehören in die Politiker beratende Expertenkommission. Und da sind sie ausgewogen vertreten.

Dr. Thomas Georg Schätzler

Ignoranz der KBV vs. Ignoranz der Impfgegner?

Zum Diskurs im Schloss Bellevue am Mittwoch hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ausdrücklich eingeladen, um nicht mit Ärzten, sondern mit Bürgern über die allgemeine Impfpflicht zu diskutieren.

Was soll das "Gemeckere" der KBV dazu, wenn sie einerseits Vertragsarztpraxen als Phalanx im Kampf gegen die Sars-CoV-2/Covid-19 Pandemie hochstilisiert, andererseits bei einer allgemeinen Impfpflicht mehr als rhetorische Vorbehalte dagegen pflegt?

Dass auch Impfgegner kamen „mit ihren an den Haaren herbeigezogenen Einwänden“, so KBV-Vize Dr. med. Stephan Hofmeister, ist keine "Groteske", sondern spiegelt die Meinungsvielfalt in der Bevölkerung wieder.

Dass KBV-Chef Dr. med. Andreas Gassen dazu noch von Ignoranz der Politik sprach, deutet eher auf das Syndrom der "beleidigten Leberwurst" hin.

Wenn dann statt der „Scheindebatte“ über die allgemeine Impfpflicht vom KBV-Vorstand auch noch ein Diskussionsanstoß über Wege aus der Pandemie gefordert wird: „Ich will endlich von Verantwortlichen hören, ab welchen Parametern wir die Corona-Maßnahmen zurückfahren. Ab welcher Impfquote hören wir denn auf, Maske zu tragen?“, so Hofmeister, schüttelt man endgültig den Kopf.

Wollen diese "alten weißen Männer" denn einfach wieder maskenfrei in die "Paris Bar" oder ins "Borchardt" gehen oder einfach in der nächstgelegenen Disko abtanzen, bis der Arzt kommt?

Ich verstehe die Motivations- und Bedürfnislage nicht.

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


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