KV Niedersachsen droht Ärzten mit Regresskeule

Weil die mit den Kassen vereinbarte Zielgröße für die Arzneimittelausgaben nicht eingehalten wird, verschickt die KV Niedersachsen Mahnschreiben.

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Die KV Niedersachsen zieht die "Notbremse" für Arzneimittelausgaben.

Die KV Niedersachsen zieht die "Notbremse" für Arzneimittelausgaben.

© Jan Haas / fotolia.com

HANNOVER (cben). Land unter im Nordwesten. Die KV Niedersachsen (KVN) fordert jeden Vertragsarzt im Land dazu auf, bis Ende des Jahres täglich 99 Euro bei den Verordnungen einzusparen. Der Grund: Die gesetzlichen Krankenkassen werden laut KVN-Hochrechnung 2010 voraussichtlich 2,82 Milliarden Euro für Arzneimittel ausgeben und damit 75 Millionen Euro mehr als zwischen der KV und Kassen vereinbart.

Nun ziehe die KVN die "Regress-Notbremse", wie es hieß. "Wenn wir im letzten Quartal des Jahres nicht auf die Ausgabenbremse treten, dann droht vielen der rund 13 200 Ärzten in Niedersachsen ein Arzneimittel-Regress", befürchtet KV Vize Dr. Volker Steitz. Die KVN verschickt daher in diesen Tagen an alle Kassenärzte in Niedersachsen einen Maßnahmenkatalog in die Praxen.

Er umfasst eine Reihe von allerdings längst bekannten Sparrezepten:

  • Wirkstoff statt Präparat verordnen.
  • Vermeiden von "Me-Too-Verordnungen."
  • Die Verordnung an sich prüfen und andere Maßnahmen oder billigere Präparate erwägen.
  • Keine Übernahme der Verordnungen aus dem Krankenhaus
  • Dauermedikationen prüfen.

Was auf den ersten Blick wie ein Ärzteversagen aussehe, sei das Resultat unrealistischer Vorgaben, hieß es. Die Höhe der Richtgrößen stehe in keinem Zusammenhang mit dem jeweiligen Bedarf an Arzneimitteln. "Die Arzneimittel-Richtgrößen müssen schnellstmöglich abgeschafft werden", fordert Steitz.

Die KV verschickt ihren Brandbrief verziert mit einer Grafik: der Silhouette einer Notbremse.

Lesen Sie dazu auch: 300 Patienten gehen für ihren Arzt in Neu-Isenburg auf die Straße

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