Bayern

KV sieht Missbrauch bei Patientenakte

Die KV Bayerns will sich als Gestalter der Digitalisierung profilieren. Ihr Vorstand glaubt, elektronische Patientenakten einzelner Kassen müssten gestoppt werden.

Von Christina Bauer Veröffentlicht:

MÜNCHEN. Elektronische Patientenakten bei Krankenkassen? Da sieht der Vorstand der KV Bayerns rot, wie sich jüngst bei der Vertreterversammlung zeigte. "Digitalisierung muss eine Kernaufgabe des KV-Systems werden", machte der Vorstandsvorsitzende Dr. Wolfgang Krombholz klar. Die KVen müssten in diesem Bereich stärker als aktive Gestalter auftreten. Andernfalls würden sie von anderen Akteuren "überholt", so Krombholz.

Einige Krankenkassen nutzten derzeit bereits Paragraf 68 SGB V, um Geld in eigene Lösungen für elektronische Patientenakten fließen zu lassen. Diese Entwicklungen liefen aber parallel zur Entwicklung der Telematik-Infrastruktur durch die gematik, entsprechend Paragraf 291a SGB V. Das Vorgehen der Kassen bezeichnete Krombholz als "Missbrauch" von Paragraf 68. Die Vertreterversammlung forderte die Politik auf, solchen Entwicklungen entgegenzuwirken.

Eigene elektronische Patientenakten von Kassen seien nicht sinnvoll, entsprechende Pilotprojekte sollten gestoppt werden. Einblick in Behandlungsdaten dürften nur Ärzte und Patienten erhalten, nicht aber die Kassen. Kritisch im Hinblick auf die Digitalisierung äußerte sich auch KV-Vorstandsvize Dr. Claudia Ritter-Rupp. "Es gibt eine unüberschaubare Bandbreite an Apps", stellte die Fachärztin für Psychosomatik und Psychotherapie fest. Davon stellten Kassen, aber auch kommerzielle Anbieter, immer mehr auch zur Beratung der Versicherten bei seelischen Belastungen zur Verfügung, bis hin zu "Therapie-Apps". Diese sollten aber allenfalls als ein zusätzlicher Baustein in einem Therapie-Konzept genutzt werden. Eine Anwendung ohne therapeutische Begleitung hingegen sei riskant.

Standards oder eine Zertifizierung für diese Apps gebe es ebenfalls nicht. In der KVB sei daher im September eine neue Arbeitsgruppe "Online-basierte Psychotherapie" gestartet. Sie wolle den Online-Therapie-Markt beobachten, über Neuerungen informieren und diskutieren. Die KVB warnt auch vor aktuellen Internet-Bedrohungen. Ein Beispiel dafür sei die sogenannte "Blue Whale Challenge". Es handele sich dabei um die Anstiftung zum Suizid über den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Fremde nutzen diese Plattform, um Jugendliche anzusprechen und ihnen Aufgaben zu stellen – die finale Aufgabe ist die Selbsttötung.

Mehrere bayerische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten der KVB hätten von derlei motivierten Suiziden, auch bei eigenen Patienten, berichtet. Die KVB habe auch die Politik darüber informiert. Valide Zahlen, wie viele Suizide durch das "Spiel" motiviert wurden, gibt es nicht. Im Sommer berichteten Medien darüber, dass sich in Russland Jugendliche infolge der "Blue Whale Challenge" umgebracht haben sollen. (cmb)

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