Sachsen-Anhalt

Kammer warnt vor Bürokratie durch Reform

Das Versorgungsstärkungs-Gesetz findet in der Kammer Sachsen-Anhalt keine Freunde. Die Diagnose fehle, daher sei die Therapie falsch.

Veröffentlicht: 13.11.2014, 16:41 Uhr

MAGDEBURG. Beratungs- und Therapieresistenz warf Sachsen-Anhalts Ärztekammerpräsidentin der Bundesregierung mit Blick auf das Versorgungsstärkungsgesetz bei der Kammerversammlung am vergangenen Wochenende vor.

"Statt angekündigter Verbesserungen stehen den Ärzten neue bürokratische Belastungen durch das Gesetz ins Haus", so Dr. Simone Heinemann-Meerz. Sie bezeichnete die geplanten Regelungen zur Terminvergabe als Populismus, der falsche Erwartungen wecke. "Intelligentere Lösungen sind möglich." Aber das setze ernsthaftes Nachdenken voraus, etwa über flexiblere Bereitschaftsdienste.

Die Kammerpräsidentin befürchtet, dass Kliniken Ressourcen für ihre eigentlichen Aufgaben verlieren, wenn sie künftig auch noch für Bagatelluntersuchungen zuständig werden. In diesem Zusammenhang kritisierte sie den geplanten Zwangsaufkauf von Arztpraxen.

Dort, wo es ohnehin schon lange Wartezeiten gibt, würde sich das Problem durch den Wegfall von Praxissitzen weiter forcieren. "Vor jede gute Therapie gehört eine gute Diagnose. In dem Punkt können die Politiker von uns lernen."

Dr. Burkhard John, Vorstand der KV Sachsen-Anhalt (KVSA) bestärkte Simone Heinemann-Meerz. "Die Krankenhäuser sind gar nicht auf die Grundversorgung von Patienten vorbereitet." Zudem mache es keinen Sinn Kliniken in unterversorgten Regionen für vertragsärztliche Tätigkeiten zu öffnen.

"Unterversorgung haben wir doch hauptsächlich im hausärztlichen Bereich. Dafür Krankenhäuser zuständig machen zu wollen, ist einfach Schwachsinn."

Abgesehen davon arbeiteten die Vertragsärzte in Sachsen-Anhalt schon heute 25 Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt. "Ich weiß gar nicht, wie die Terminservicestellen arbeiten sollen."

Nur eines sei klar: Es würden mehr Bürokratie und Kosten entstehen.Die Kammerversammlung positionierte sich zur gegenwärtigen Debatte um Sterbehilfe: Es gebe wenig Handlungsbedarf, einzig, die kommerzielle Sterbehilfe müsse verboten werden. (zie)

Mehr zum Thema

Hessen

Bereitschaftsdienst stellt nun E-Rezepte aus

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Wie MoniKa Ärzte und Patienten entlastet

Versorgungsprojekt „Mambo“

Wie MoniKa Ärzte und Patienten entlastet

Amnesty: Beschäftigte im Gesundheitswesen in Gefahr

Nicht nur wegen COVID-19

Amnesty: Beschäftigte im Gesundheitswesen in Gefahr

Statintherapie mit 80 Jahren beginnen? Klar doch!

Primärprävention

Statintherapie mit 80 Jahren beginnen? Klar doch!

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden