Berufspolitik

Kammerchef regt Wiederbelebung der Ambulatorien an

Flexible Versorgungskonzepte sind nötig, um Ärztemangel einzudämmen, sagt Thüringens Kammerchef Wesser.

Von Robert Büssow Veröffentlicht: 13.04.2011, 13:50 Uhr
Dr. Mathias Wesser, Präsident der LÄK Thüringen plädiert für flexible Versorgungskonzepte

Dr. Mathias Wesser, Präsident der LÄK Thüringen plädiert für flexible Versorgungskonzepte

© LÄK Thüringen

WEIMAR. Im Kampf gegen den Ärztemangel fordert die Landesärztekammer Thüringen (LÄK) eine deutliche Aufstockung der Medizinstudienplätze. Andernfalls sei die medizinische Versorgung nicht mehr aufrecht zu erhalten, warnte Kammerpräsident Mathias Wesser bei der Ärztewoche in Weimar. Der Kardiologe aus Suhl rief dazu auf, Medizin-Fakultäten finanziell und personell besser für eine steigende Zahl von Studenten auszustatten. "Nicht nur in Jena läuft die Ausbildung bereits am Anschlag", sagte Wesser.

Derzeit stehen nach Angaben der KV Thüringen etwa 280 Haus- und Facharztsitze offen. An den Thüringer Kliniken fehlen rund 250 weitere Mediziner. Ohne den Zustrom von mittlerweile rund 700 ausländischen Ärzten wäre der Mangel noch gravierender, so Wesser. Er plädierte vor allem für flexible Versorgungskonzepte nach dem Vorbild der vor der Wiedervereinigung verbreiteten Landambulatorien, in denen Ärzte tageweise Sprechstunden abhalten könnten. Positiv bewertete er neue Anreize zur Niederlassung durch das geplante Versorgungsgesetz, darunter den Wegfall der RLV in unterversorgten Gebieten oder die Einrichtung eigener Praxen durch Städte und Gemeinden. Weiteres Potenzial sieht er in einer Lockerung der Residenzpflicht und dem Ausbau mobiler Versorgungskonzepte. Selbst die umstrittene Delegation von Leistungen an Hilfspersonal wie bei der Wundversorgung ist für ihn kein Tabu mehr. Als vielversprechend stufte Wesser regionale Steuerungsgremien zur Bedarfsplanung unter Mitwirkung der Ärztekammern ein.

"Aus meiner Sicht müssen wir allerdings nicht nur kleinräumig planen, sondern auch sektorübergreifend. Ohne das Zusammenspiel von stationärer und ambulanter Versorgung können wir die medizinische Versorgung nicht mehr sicherstellen", appellierte der LÄK-Präsident. Ins selbe Horn blies der Verband leitender Krankenhausärzte. "Die starre Trennung ist nicht mehr zeitgemäß. Eine engere Verschmelzung ist notwendig", sagte der Vorsitzende Reinhard Fünfstück in Weimar.

Trotz jahrelanger Mahnungen vor einem Kollaps des Gesundheitssystems herrsche eine "unverständliche Stagnation". Fünfstück plädierte für die Einrichtung einer Modellregion. Vor allem die von ihm so bezeichnete doppelte Facharztschiene sei eine unglaubliche Irrationalität des Systems.

Als ersten Schritt in diese Richtung versuche man in Thüringen bereits, Weiterbildungsordnungen aufzubrechen und die Facharztausbildung stärker ambulant auszurichten. "Ich stelle mir eine Mindestdauer von anderthalb Jahren im ambulanten Sektor vor. Das weckt auch das Verständnis für den niedergelassenen Bereich", so Fünfstück. Weiter plädierte er für den zügigen Ausbau Medizinischer Versorgungszentren (MVZ). Angesichts der steigenden Kosten verlangte er zudem eine "Rationalisierung und vielleicht auch Priorisierung des Leistungsangebotes". Der medizinische Leistungskatalog gehöre dringend auf den Prüfstand.

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