Krankenkassen

Kassen fordern Umverteilung statt Honorarplus

Veröffentlicht:

BERLIN (sun/dpa). Ärzte kommen nach Angaben des GKV-Spitzenverbandes in diesem Jahr im Schnitt auf 164.000 Euro - nach Abzug der Praxiskosten, vor Steuern, inklusive Einkommen von Privatpatienten.

"Es braucht insgesamt nicht mehr Geld für Ärztehonorare, sondern eine bessere Verteilung innerhalb der Ärzteschaft", sagte Verbands-Vize Johann-Magnus von Stackelberg. Ohnehin verdienten Ärzte mehr an GKV-Versicherten als von der Selbstverwaltung ausgehandelt.

Er stützt sich dabei auf eine Studie des IGES-Instituts. Demnach verdienen Ärzte mit der Behandlung von Kassenpatienten "im Durchschnitt regelmäßig einen höheren Reinertrag je Praxisinhaber, als von den Selbstverwaltungspartnern vereinbart wurde". Der Berufsverband der Deutschen Internisten kritisierte die Aussagen als "Neid-Diskussion" um Ärzteeinkommen.

Die Kassen erteilten zudem der Aussage von Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) eine Absage, es müsse wieder mehr Ärzte geben.

Mehr zum Thema
Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Jürgen Schmidt

Abgestandener, saurer Quark

Politische Argumente werden für den Durchschnittsbürger gemacht.

Der sollte allerdings auch nicht unterschätzt werden.

Jeder der einen Betrieb, ein Geschäft, oder eben eine Praxis leitet, oder Einblick in betriebswirtschaftliche Zusammenhänge hat, weiß, dass aus dem Einkommen nach (!) Steuern die zukünftigen Investitionen angespart werden müssen und, wenn diese dann getätig worden sind, etwa die Hälfte der Investitionen über die AfA rechnerisch wieder zurück fließt. Es bleibt immer ungefähr die Hälfte übrig, die letztlich aus dem versteuerten Einkommen bezahlt werden muss. Kalkulatorisch handelt es sich dabei innerhalb von 20 Jahren um 150 % der Anfangsinvestition einer Praxis, Zinseszins nicht eingerechent. Hoch investive Praxen erhöhen den nominalen Durchschnitt beträchlich, so dass so genannte Durchschnittswerte für die Durchschnittspraxis eben nicht repräsentativ sind.

Pauschalisierende Pseudoberechnungen, wie die von IGES, xmal für die Propaganda in willigen Presseorganen wiederholt, dienen nicht der Aufklärung (mit und für Beiträge der Versicherten) sondern der Volksverdummung und dem Expansionsstreben bürokratischer Apparate, wie den Krankenkassen, die endlich anfangen sollten, Ihre eigenen Kosten zu legitimieren.

Ohne auf die verschiedene Arztgruppen und Ihren betriebswirtschaftlichen Finanzbedarf im einzelnen einzugehen , sei - sine ira et studio - erlaubt, die Betrachtung auf andere Berufe und z.B. in die Gemeindekostenstatistik zu werfen.
Dort findet man für eine A 14 Stelle (also z.B. einen Oberstudienrat) inklusive Pensionsrückstellung, Ortszuschlägen, Kindergeld, Beihilfe für Krankheit, Umzug (auch neue Gardinen), kurzum für alles, was ein niedergelassener Arzt aus seinem Einkommen bezahlt, eine Summe, die der des niedergelassenen Internisten in der hausärztlichen Versorgung entspricht. Der Internist muss dazu jedoch außerdem noch das unternehmerische Risiko abdecken und Geld für Investitionen ansparen - - und dafür im Durchschnitt über 50 Stunden in der Woche arbeiten.

Saurer Quark, wie der des Herrn Stackelberg, ist nicht nur ohne wirklichen politischen Nährwert, er vergiftet auch noch das Klima.


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
DAK-Chef Andreas Storm

© Porträt: DAK-Gesundheit | Hirn: grandeduc / stock.adobe.com

„ÄrzteTag“-Podcast

DAK-Chef: „Das Prinzip Brechstange hat bei der Digitalisierung nicht funktioniert“

Die Prognose von intensivpflichtigen COVID-Patienten mit neurologischen Komplikationen ist ungünstig.

© patrikslezak / stock.adobe.com

PANDEMIC-Studie

Neurologische Komplikationen häufig Grund für COVID-Tod