Finanzierungsreform

Kassen geißeln geplantes Strafgeld

Ein Gesetzesvorhaben der Regierung macht Kassen sorgen: Bis zu zehn Millionen Euro Zwangsgeld könnten ihnen künftig drohen.

Veröffentlicht:

DÜSSELDORF. Eine im Versorgungsstärkungsgesetz geplante Neuregelung könnte den Leistungs- und Qualitätswettbewerb der Krankenkassen beeinträchtigen, warnen Experten. Stein des Anstoßes ist der Plan, Kassen mit einem Strafgeld zu belegen, wenn sich ein von ihr abgeschlossener Vertrag im Nachhinein als rechtswidrig herausstellt.

Der Referentenentwurf sieht eine Ergänzung in Paragraf 71 vor, nach der Kassen ein Zwangsgeld von bis zu zehn Millionen Euro zugunsten des Gesundheitsfonds droht, wenn ein von ihnen geschlossener Vertrag den Belangen der Versicherten oder dem Wettbewerb schweren Schaden zufügt.

"Strafgeldforderungen machen die Lage noch schlimmer"

Das wird die bislang durch die Zusatzbeiträge gedämpfte Risikobereitschaft der Kassen nicht fördern, erwartet die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands Dr. Doris Pfeiffer. "Strafgeldforderungen machen die Lage vielleicht noch schlimmer", sagte Pfeiffer auf dem Medica Econ Forum der Techniker Krankenkasse (TK).

Um rechtswidrige Verträge zu verhindern, sollte die Politik besser andere Regularien schaffen, bestätigte TK-Vorstand Frank Storsberg. "Das Damoklesschwert Regress ist ungünstig."

Gesundheitsökonom Professor Eberhard Wille begrüßte, dass das strenge Kriterium der Beitragssatzstabilität entfallen soll. "Wenn wir die Krankenkassen vom Payer zum Player werden lassen, müssen wir ihnen größeren Gestaltungsspielraum geben", forderte Wille. "Sie müssen auch Investitionen tätigen können, die keine größeren Erträge bringen."

Das Gesetzesvorhaben befinde sich noch in der ersten Phase, betonte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium Annette Widmann-Mauz (CDU). "Wir hören uns die Kritik und die Reaktionen auf einzelne Regelungen sehr aufmerksam an", sagte sie. Grundsätzlich ist Widmann-Mauz optimistisch, was die Auswirkungen der Reform betrifft. "Ich gehe davon aus, dass die Kassen die Chancen und Risiken von Vertragsgestaltung und Ausgabensteigerung klug abwägen werden." (iss)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

1. Deutscher Präventionsgipfel

Wissenschaftler und Politiker fordern: Mehr Prävention wagen!

Kooperation | In Kooperation mit: AOK-Bundesverband

Debatte um Primärversorgung

HzV in Baden-Württemberg: Dort regiert die ganz große Koalition

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Keine Modeerscheinung

ADHS im Erwachsenenalter: Das gilt für Diagnostik und Therapie

Lesetipps
Endoskopische Auffälligkeiten bei der Colitis ulcerosa

© Gastrolab / Science Photo Library

Interview

Das ist neu in der S3-Leitlinie Colitis ulcerosa

 Shabnam Fahimi-Weber

© Jochen Tack

Einsatz im Kriegsgebiet

Essener HNO-Ärztin hilft Menschen im Iran via Telemedizin