Kassen sehen keinen Ärztemangel

KIEL (di). Die Krankenkassen im Norden sehen keinen Handlungsbedarf in der Finanzierung der ambulanten Versorgung. Ein von ihnen in Auftrag gegebenes Gutachten zur vertragsärztlichen Versorgungssituation stößt bei der KV allerdings auf Unverständnis.

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"Die Klagen von interessierten Stellen sind unbegründet", sagte AOK-Chef Dr. Dieter Paffrath bei der Vorstellung des Gutachtens. Auch VdAK und BKK sind sicher, dass die vertragsärztliche Versorgung in den kommenden Jahren nicht gefährdet sein wird.

Sie stützen sich auf ein Gutachten der Gesellschaft für betriebswirtschaftliche Beratung (Gebera), wonach in Schleswig-Holstein kurzfristig kein ärztlicher Versorgungsmangel zu befürchten ist. Eine abweichende Situation zum Bundesdurchschnitt liegt nach Meinung der Gesellschaft im Norden nicht vor.

Die Krankenkassen nutzten die Präsentation der Ergebnisse, um Forderungen nach mehr Honorar der Ärzte zurückzuweisen. "Wir wissen, dass 4382 Ärzte die Versicherten in Schleswig-Holstein mit einem Budget von 800 Millionen Euro sehr wohl flächendeckend versorgen können", sagte VdAK-Chef Dietmar Katzer. Er verwies auf einen Anstieg des Gesamthonorars im Norden zwischen 2002 und 2006 um sechs Prozent.

Nach Angaben von Manfred Puppel von den Betriebskrankenkassen ist das Honorar je Behandlungsfall im gleichen Zeitraum um zehn Prozent gestiegen: "Das belegt, dass die Honorare der Ärzte ständig steigen." Die KV Schleswig-Holstein verwies dagegen auf die im Frühjahr vorgelegten Zahlen der Arbeitsgemeinschaft der obersten Landesgesundheitsbehörden, wonach in zehn bis 15 Jahren in Deutschland bis zu 15 000 Hausärzte fehlen werden.

KV-Vorstand Dr. Ingeborg Kreuz ist sicher, dass die Kassen die Situation falsch einschätzen und mit dem Gutachten "nach einem Weg aus der Verantwortung suchen".

Unter vielen Ärzten im Norden dürften die Ergebnisse des Gutachtens Erstaunen auslösen. So war etwa für den Kreis Steinburg von drei fehlenden Hausarztsitzen die Rede. Nach Angaben der KV Schleswig-Holstein sind aber zwölf Praxissitze unbesetzt. Schon derzeit setzt sich die KV im Landesausschuss dafür ein, dass für den Kreis eine Unterversorgung festgestellt wird.

Auch die Landesregierung hat auf die Situation in vielen Regionen Schleswig-Holsteins reagiert und unterstützt Pilotprojekte gegen drohende Versorgungsprobleme durch eine engere Zusammenarbeit mit Krankenhäusern. Katzer sieht auf diesem Weg aber Risiken für die Vertragsärzte - er sprach von einem "ambulanten Monopol in den Krankenhäusern", das mit solchen Projekten geschaffen werden könnte.

Katzer: "Dies ist eine ordnungspolitische und kostentreibende Katastrophe und bedeutet den Ausstieg aus der ambulanten Versorgung in der Fläche. Diese Tür hat die KVSH durch ihre geschürten Ängste zur Versorgungssituation geöffnet."

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