Kind und Karriere: Für junge Ärzte unvereinbar

Die Vereinbarkeit von Klinik und Familie wird seit langem gefordert. Ergebnisse einer Umfrage zeigen allerdings: Junge Ärzte und Studenten sehen den Wunsch nach Kindern unvereinbar mit der Karriere.

Von Rebecca Beerheide Veröffentlicht:
Mutter mit Kind: Für einen Großteil junger Ärzte ist Kinderwunsch und Karriere unvereinbar.

Mutter mit Kind: Für einen Großteil junger Ärzte ist Kinderwunsch und Karriere unvereinbar.

© Aletia / shutterstock.com

NEU-ISENBURG. "Sind Kinder ein Karrierehemmnis?" Auf diese - durchaus provozierende - Frage antworteten in einer aktuellen Umfrage 82,4 Prozent der jungen Ärzte eindeutig mit "Ja".

Dabei sind sich Frauen und Männer bei der Einschätzung in der Tendenz einig: 87,7 Prozent der Ärztinnen sehen ein Karrierehemmnis, 69,2 Prozent ihrer männlichen Kollegen stimmten dem zu.

Unter den Medizinstudenten sehen 68,8 Prozent Kinder als unvorteilhaft für die künftige Karriere.

Diese Ergebnisse der Umfrage "Familienfreundlichkeit 2011" der Bundesvertretung der Medizinstudenten in Deutschland (bvmd) lassen aufhorchen: Laut der gerade veröffentlichten Studie geben jeweils 89 Prozent der jungen Ärzte und Studenten an, dass sie in Vorstellungsgesprächen nicht nach Familienfreundlichkeit des Arbeitgebers fragen würden - aus Angst, die Chancen auf eine Stelle damit zu verringern.

"Die Ergebnisse zeigen, wie groß die Missstände in Fakultäten und Kliniken sind und unterstreicht die Wichtigkeit, sich in beiden Bereichen für ein Umdenken und eine veränderte Arbeitskultur einzusetzen", heißt es in einer Mittelung der Arbeitsgruppe "freundilie" des bvmd.

Konflikt zwischen Beruf und Familie

Obwohl es immer wieder Erklärungen gibt, Kliniken wollten angesichts des Fachkräftemangels Familienfreundlicher werden, beschäftigt das Thema Studenten wie junge Ärzte sehr.

In der Befragung gaben 58,8 Prozent der Studenten an, der Konflikt zwischen Beruf und Familie sei "stark" oder "sehr stark".

Mit der Erfahrung aus dem Klinikalltag steigt bei jungen Ärzten die Wahrnehmung für diesen Konflikt noch einmal an, 73,7 Prozent sehen große Probleme bei der Vereinbarkeit.

Die Befragten von 35 der 36 Medizinfakultäten in Deutschland schätzen ihre Universität als nicht-familienfreundlich ein. Nur 18,4 Prozent der Studenten halten ihre Uni für familienfreundlich.

Die Forderung nach einer verbesserten Vereinbarkeit von Beruf und Familie steht seit langem im Raum - nicht zuletzt auch im Koalitionsvertrag der schwarz-gelben Bundesregierung von 2009.

Die Bundesärztekammer hat im Oktober 2010 Checklisten für Ärzte veröffentlicht, mit denen die Familienfreundlichkeit des Arbeitgebers in Klinik und Niederlassung überprüft werden kann. Auch gibt es eine Checkliste für Studentinnen mit Kind.

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Krebskongress

Tumorchirurgie: Geschlecht zählt auf beiden Seiten des Skalpells

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe

Krankenhausreform

Klinik-Atlas soll zum Gemeinsamen Bundesausschuss umziehen

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Brustkrebs Symbolbild

© Sebastian Kaulitzki / stock.adobe.com

Risikoadaptiert und individualisiert behandeln

Frühes Mammakarzinom: So optimieren Sie die Therapie

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe
Eine Ärztin spricht mit einer Patientin.

© Siphosethu F / peopleimages.com / Stock.adobe.com

Krebsprävention durch Kommunikation

Zu Krebs halten sich Mythen und Irrtümer hartnäckig – Aufklärung tut not

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe
Drei Operateure in einem Operationssaal.

© Robert Kneschke / stock.adobe.com

Krebskongress

Tumorchirurgie: Geschlecht zählt auf beiden Seiten des Skalpells

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe