Berufspolitik

Köhler: Bei Kostenerstattung stirbt jede vierte Praxis

Kostenerstattung bringt Wettbewerb um Patienten. Laut KBV-Chef Köhler wird das nicht jede Praxis überleben.

Veröffentlicht: 11.10.2010, 14:25 Uhr

DÜSSELDORF (HL). In einem Interview der "Rheinischen Post" hat sich Dr. Andreas Köhler, Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, dafür ausgesprochen, die derzeit ausschließlich auf dem Arzt lastende Kostensteuerung im Sachleistungssystem teilweise auf die Patienten zu verlagern.

"Ich halte es für notwendig, dass auch der Versicherte Eigenverantwortung übernimmt." Möglich werden soll dies laut Köhler durch Einführung der Kostenerstattung in Verbindung mit einer prozentualen Eigenbeteiligung. Um Versicherte nicht zu überfordern, müsse es zu einer sozialen Abfederung ähnlich wie bei den Zusatzbeiträgen kommen.

Nach Auffassung von Köhler führt Kostenerstattung nicht zwangsläufig zu Mehrausgaben für die ärztliche Versorgung. Der KBV-Chef: "Ich bin überzeugt, dass durch die Kostenerstattung, bei der die Versicherten mehr Eigenverantwortung übernehmen, sich die Zahl der Arztbesuche reduziert."

Zur Zeit geht jeder Versicherte im Durchschnitt 18mal pro Jahr zum Arzt. Durch weniger Arztbesuche werde auch Geld gespart.

Konkret rechnet Köhler mit einem Rückgang der Kontaktfrequenz um 20 bis 25 Prozent. Als Folge dessen werde der Wettbewerb der Ärzte um die Patienten zunehmen. Köhler: "Ich gehe davon aus, dass sich bei flächendeckender Kostenerstattung die Zahl der Arztpraxen um rund 25 Prozent reduzieren wird."

Der KBV-Chef plädiert allerdings dafür, dass ein Kostenerstattungssystem für einen Übergangszeitraum von mindestens fünf Jahren freiwillig eingeführt werden sollte, bis es für alle GKV-Versicherten verbindlich würde.

Der Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums, Christian Lipicki, wies die Darstellung Köhlers zurück. „Es ist schlicht Unfug, dass wegen der Erweiterung der freiwilligen Möglichkeit zur Kostenerstattung ein Praxissterben drohen könnte.“ Es gebe keinen Grund, warum KVen ihren Auftrag zur Sicherstellung nicht erfüllen könnten.

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