Ärztemangel

Kommunen üben sich schon heute als Versorger

Versorgungslücken und demografischer Wandel machen die Kommunen erfinderisch. Die Provinz wird zum Testlabor für innovative Versorgungsideen.

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Und wo geht es hier zum Arzt? Die Kommunen suchen nach Antworten und entwickeln neue Versorgungsmodelle.

Und wo geht es hier zum Arzt? Die Kommunen suchen nach Antworten und entwickeln neue Versorgungsmodelle.

© Stephan Jansen/ dpa

BERLIN. Kreise, Städte und Gemeinden werden künftig die ambulanten Versorgungsstrukturen mitgestalten. Union und SPD planen, ihnen diese Aufgabe per Gesetz zu erleichtern. Kommunen sollen Medizinische Versorgungszentren gründen und in Eigenregie betreiben dürfen.

Darauf springen Verantwortliche in den Kommunen an. Der Wirtschaftsfaktor Arzt ist den Bürgermeistern und Landräten wichtig.

"Ist der Arzt erst weg, wird es auch für die Apotheke eng, und eine städtische Infrastruktur kann zusammenbrechen. Es fehlen dann die Frequenzbringer", sagt Dr. Michael Lohner, Bürgermeister der 5000-Seelen-Stadt Munderkingen im Alb-Donau-Kreis.

Kommunen als ambulante Versorger

Dr. Bernd Köppl sieht deshalb die Regierung in der Pflicht: "Es ist eine Frage an die Politik, wie die ambulante Versorgung in Zukunft zu sichern ist".

Zum Auftakt des 2. BMVZ-Strategiekongresses in Berlin forderte der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes der Medizinischen Versorgungszentren (BMVZ) neue Akteure im Gesundheitswesen und trägerorientierte Konzepte .

Köppl liegt damit im Trend. Dass die Kommunen künftig sehr viel stärker die ambulanten Versorgungsstrukturen mitgestalten werden, gibt der Koalitionsvertrag vor. Ein Gesetzesentwurf dazu liegt noch nicht vor.

Die Praxis hat bereits regionale Modelle hervorgebracht, die so etwas wie Blaupausen sein könnten für künftige regionale Versorgungsmodelle. Zwei davon wurden jetzt in Berlin vorgestellt.

Das Rathaus als Netzwerk

Beispiel Munderkingen: Als Ärzte keine Praxisnachfolger mehr fanden, gründeten Stadt und Landkreis gemeinsam eine gemeinnützige Krankenhaus GmbH. Dort können Ärzte nun sowohl angestellt als auch mit eigenem Kassensitz arbeiten.

Damit hat Lohner ein neues kommunales Handlungsfeld aufgestellt, in dem das Rathaus als Netzwerker und Kommunikator zwischen Gesundheitswesen und Stadtentwicklung agiert.

Beispiel Dithmarschen: Gemeinde, KV Schleswig Holstein und Ärztegenossenschaft wollen einen gemeinnützigen Eigenbetrieb gründen.

Die Gemeinde baut das Ärztehaus, die KV Schleswig-Holstein wird das Vorhaben finanziell fördern und die bestehende Ärztegenossenschaft soll die Betriebsführung übernehmen.

Noch sind solche Modelle vom Engagement Einzelner abhängig. In Dithmarschen ist es Harald Stender. Der Chef des Westküstenklinikums Brunsbüttel & Heide geht zwar zum Jahresende in den Ruhestand, will aber als Vermittler zwischen der öffentlichen Verwaltung, Ärztegenossenschaft und KV weiter engagiert bleiben.

Denn er ist überzeugt: "Die Politik allein ist nicht in der Lage, die Dinge nach vorne zu bringen. Und die Innovationen entwickeln sich künftig im ländlichen Raum." (wer)

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Kommentare
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Ullrich Eidenmüller

Die neue kommunale Rolle

Wenn schon die Kommunen in eine neue Rolle gedrängt werden, obgleich bisher die Gesundheitsversorgung nicht zu ihren Pflichtaufgaben gehört hat, dann sollten sie ihre ureigene Kompetenz einbringen: nämlich, die Bedürfnisse ihrer Bürger zu erkennen und in den Mittelpunkt zu stellen. Denn nicht trägerorientierte Konzepte, wie es im Artikel heisst, sind gefragt, sondern bürgerorientierte Konzepte. Und das wird ganz konkret heissen, dass die Versorgungsangebote der Zukunft eine Vernetzung der Gesundheitsberufe mit den Sozialberufen erfordert.


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