Onkologie

Krebsspezialisten wollen Kümmerer sein

Onkologen und Hämatologen im BNHO wollen die Patientenorientierung zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit machen.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:

KÖLN. Die niedergelassenen Hämatologen und Onkologen wollen sich als zentraler Ansprechpartner positionieren, der die Patienten durch die komplette Behandlung führt und die Verantwortung übernimmt.

"So wichtig die Spezialisierung und die zunehmende Netzwerkbildung für die Versorgung sind: Wir müssen aufpassen, dass in dem Prozess das Verantwortungsgefühl nicht verloren geht", sagt Professor Stephan Schmitz im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung für Onkologen und Hämatologen".

Schmitz ist gerade für drei weitere Jahre als Vorstandsvorsitzender des Berufsverbands der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen Deutschlands (BNHO) bestätigt worden. Zu seinem Stellvertreter wählte die Mitgliederversammlung Dr. Karsten Kratz-Albers aus Münster.

Neben den vielen Themen, die er kontinuierlich bearbeitet, will der BNHO die stärkere Patientenorientierung zu einem Schwerpunkt der Verbandsarbeit machen.

Dazu hat er gemeinsam mit dem Wissenschaftlichen Institut der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen (WINHO) einen Fünf-Punkte-Plan zur Förderung der Patientenorientierung in der onkologischen Versorgung erarbeitet:

- Verantwortung für den Patienten tragen: Gerade angesichts der immer komplexer und kleinteiliger werdenden Onkologie brauchten die Patienten einen Kümmerer, der sich für sie zuständig fühlt, betont Schmitz. "Der einzelne Arzt ist nach wie vor für den Patienten verantwortlich, nicht die Tumorkonferenz."

- Psychoonkologische Grundversorgung leisten: BNHO und WINHO wollen in den onkologischen Praxen ein routinemäßiges Screening einführen, damit die Ärzte bewerten können, welche Patienten die Betreuung durch einen Psychoonkologen benötigen. "Bei 80 bis 90 Prozent der Patienten kann der Onkologe die Grundversorgung leisten", schätzt Schmitz.

 - Den gut informierten Patienten fördern und beteiligen: Es sei für Ärzte eine nicht zu unterschätzenden Herausforderung, Krebspatienten adäquat zu informieren - gerade angesichts der sehr heterogenen Voraussetzungen der einzelnen Patienten. "Wir müssen den individuellen Informationsbedarf und die passenden Informationshilfen erfassen", erläutert er. Auch müssten die Onkologen noch besser lernen, mit sprachlichen und kulturellen Barrieren umzugehen. Hierzu will der Verband Hilfen erarbeiten. "Es gibt noch Forschungs- und Entwicklungsbedarf."

- Zugang zu innovativen Therapieoptionen erleichtern: "Wir wollen weiter dafür werben und kämpfen, dass jeder Patient in Deutschland innovative Medizin erhält", sagt der Kölner Hämatologe und Onkologe. Eine wichtige Voraussetzung dafür sei, dass sich die Krebsspezialisten an klinischen Studien beteiligen und aktiv an Netzwerken mitwirken. "Wir können das nicht allein machen, aber man kann es auch nicht ohne uns machen", so Schmitz.

- Kontinuität der onkologischen Behandlung gewährleisten: Da Krebspatienten immer länger leben, endet die Arzt-Patienten-Beziehung häufig nicht mit der Therapie. Nach Einschätzung des BNHO sind die Langzeitbelastungen von Krebspatienten und die Anforderungen an eine strukturierte Nachsorge bislang noch zu wenig erforscht worden. "Die Langzeitversorgung ist ein Bereich, in dem die niedergelassenen Hämatologen und Onkologen eine Kernkompetenz entwickeln können", sagt Schmitz.

Bei den Herausforderungen, deren Bewältigung sich der Verband auf die Agenda gesetzt hat, geht es für Schmitz darum, die Aufmerksamkeit zu schärfen - nach außen und nach innen. "Wir wollen dafür sorgen, dass sich die niedergelassenen Hämatologen und Onkologen die Themen zu eigen machen", erläutert der Verbandsvorsitzende.

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