Nutzenbewertung

Kritischer Blick auf den Nutzen

Veröffentlicht:

BERLIN. Der Nutzen einer Therapie bleibt eine umstrittene Größe. Das wurde beim 5. Cornomed Branchentreff Onkologie in Berlin deutlich. Es hakt an zwei Punkten.

Zum einen: Die Post-Zulassungs-Studien würden sträflich vernachlässigt, monierte der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Professor Wolf-Dieter Ludwig. Der Zusatznutzen per Zulassung zum Beispiel für Orphan Drugs stamme jedoch aus Zeiten, in denen die Voraussetzungen andere waren.

Zum anderen: Evidenzbasierte onkologische Medizin braucht Ergänzungen, sonst verzögert sie die Ankunft von Innovationen in der Versorgung. "Die Fokussierung auf die evidenzbasierte Medizin in IQWiG und GBA schneidet Interessantes ab", sagte der Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft, Dr. Johannes Bruns.

Er forderte, für die Zeit zwischen Studien und der Erarbeitung einer Leitlinie zum Thema Zwischenschritte zuzulassen. Dies sei aber nicht möglich, weil die Leitlinien in der Nutzenbewertung durch den GBA keine Rolle spielten.

Eine kritischere Herangehensweise an die evidenzbasierte Medizin wünschte sich auch Professor Matthias Schrappe. Eine Studie sei dort, wo Geld sei, die evidenzbasierte Medizin sei dort, wo eine Studie sei. Diese hermeneutische Schleife bilde nicht die Wahrheit ab, sagte Schrappe.

Schrappe hat einen weiteren Widerspruch in diesem Zusammenhang ausgemacht. Von einer teuren Therapie geschenkte drei bis vier Monate Überlebenszeit würden als Beleg für Nutzen angesehen. Gleichzeitig gebe es massive Hygienedefizite in den Kliniken zum Schaden aller Krankenhauspatienten.

Unterstützung erhielt Schrappe vom unparteiischen Vorsitzenden des GBA, Josef Hecken. Die Verlängerung der Lebenszeit werde wie eine Monstranz vor der Nutzendebatte hergetragen, der Blick auf die Lebensqualität komme zu kurz.

Die frühe Nutzenbewertung sei eine Momentaufnahme, wies die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes der forschenden Pharma-Unternehmen, Birgit Fischer, auf ein weiteres Defizit hin. Gerade bei chronischen Krankheiten lasse sich der Nutzen aber erst im Langzeitverlauf messen. (af)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Frühe Nutzenbewertung

Alzheimer: Auch Donanemab fällt beim IQWiG durch

Frühe Nutzenbewertung

G-BA: Geringer Zusatznutzen für Nivolumab bei Ösophaguskrebs

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Tab. 1: Verbesserung wichtiger Endpunkte nach 24-wöchiger randomisierter Behandlung mit Vimseltinib vs. Placebo (MOTION-Studie)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Tenosynoviale Riesenzelltumoren

Erste zugelassene systemische Therapie zeigt überzeugende Langzeiteffekte

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Deciphera Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Durvalumab im Real-World-Vergleich

© Springer Medizin Verlag

ED-SCLC

Durvalumab im Real-World-Vergleich

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Wissenschaft in Medizin übertragen

© Regeneron

Forschung und Entwicklung

Wissenschaft in Medizin übertragen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Regeneron GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Fallstricke in der Praxis

Häufige Fehler in der Hypertonie-Therapie: So geht’s besser!

Praxis-PC, Konnektor und andere Elektrogeräte

Elektroschrott: Wie Praxen Altgeräte sicher entsorgen

Lesetipps
Röntgenaufnahme des Thorax zur Diagnose von Atemwegserkrankungen.

© yta / stock.adobe.com

Röntgen-Thorax führte zur Diagnose

Kasuistik: Negativer D-Dimer-Test trotz akuter Lungenembolie