Krankenkassen

Liberale Ökonomen sehen in Röslers Gesundheitsprämie nur den ersten Schritt

Der gesetzlichen Krankenversicherung fehlen Milliarden. Die Gesundheitsprämie reicht aber nicht aus, um die Finanzierung langfristig zu sichern, warnen Ökonomen.

Von Sunna Gieseke Veröffentlicht: 18.05.2010, 15:00 Uhr
Liberale Ökonomen sehen in Röslers Gesundheitsprämie nur den ersten Schritt

"Die Prämienmodelle reduzieren zwar die Nachhaltigkeitslücke, schließen sie aber nicht", sagt der Ökonom Professor Bernd Raffelbüschen. © Carmen Steiner / fotolia.com

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BERLIN. In der gesetzlichen Krankenversicherung müssten in den kommenden Jahren bis zu 15 Milliarden Euro eingespart werden - die Kosten des Gesundheitssystems steigen allerdings ungebremst weiter. Das ist das Fazit der Stiftung Marktwirtschaft, deren Analyseergebnisse am Dienstag in Berlin vorgestellt wurden. "Durch die Kostendämpfungsgesetze konnte das Ausgabenwachstum in der GKV in der Vergangenheit nur kurzfristig begrenzt werden", sagte der Ökonom Professor Bernd Raffelhüschen, Vorstandsmitglied der Stiftung. Es müssten andere Möglichkeiten gefunden werden, die Finanzierbarkeit der GKV dauerhaft sicherzustellen.

Das von Gesundheitsminister Philipp Rösler geplante Prämienmodell ist nach Ansicht der Ökonomen dazu allerdings nur bedingt geeignet: "Das Prämienmodell erfordert zusätzliche Steuereinnahmen zur Finanzierung des Sozialausgleichs", sagte Raffelhüschen. Selbst bei einer Gesundheitsteilprämie von nur 40 Euro im Monat seien dies 3,4 Milliarden Euro - in einem Prämienmodell wie in Holland seien es sogar 15,8 Milliarden Euro.

Dennoch gebe es gute Gründe für die einkommensunabhängige Prämie. Ein Vorteil ist nach Meinung Raffelhüschens, dass die Beitragseinnahmen der Krankenversicherung unabhängiger von der konjunkturellen und demografischen Entwicklung werden. Darüber hinaus sei ein Prämienmodell mit steuerfinanziertem Sozialausgleich "fairer" als die Umverteilung im aktuellen GKV-System.

Dennoch reichten Prämienmodelle alleine nicht aus, um die Herausforderungen - wie etwa steigende Morbidität der älter werdenden Bevölkerung - des Gesundheitssystems dauerhaft zu bewältigen. "Die Prämienmodelle reduzieren zwar die Nachhaltigkeitslücke, schließen sie aber nicht", so Raffelhüschen.

Eine wirklich tragfähige Reform müsse auf der Einnahmen- und Ausgabenseite ansetzen und brauche weitere Elemente: Seiner Ansicht nach könnten Selbstbehalte bei ambulanten Leistungen und Medikamenten die finanzielle Tragfähigkeit der GKV erhöhen. Hierzu sei ein Betrag von 600 bis 1000 Euro pro Versicherten im Jahr notwendig, allerdings nur für "die, die es sich auch leisten könnten", so Raffelhüschen.

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