„Jeder Dritte unzufrieden“

GKV-Spitzenverband befeuert Debatte über Wartezeiten auf Facharzttermine

Versicherte wünschten sich einen schnelleren Zugang zu fachärztlichen Behandlungen, meldet der GKV-Verband unter Verweis auf eine nicht ganz taufrische Befragung – und formuliert eine Forderung. KBV und Hausärzteverband halten dagegen.

Veröffentlicht: | aktualisiert:
Die Termin-Diskussion ist zurück: Blick in das Wartezimmer einer Arztpaxis.

Die Termin-Diskussion ist zurück: Blick in das Wartezimmer einer Arztpaxis.

© Daniel Karmann/dpa

Berlin. Pünktlich zum Jahresbeginn ist die Wartezeiten-Debatte zurück in Deutschland: Patienten wünschten sich eine ambulante Versorgung, die mit der modernen Lebens- und Arbeitswelt vereinbar sei, meldete sich die Vizechefin beim GKV-Spitzenverband, Stefanie Stoff-Ahnis, am Montag unter Verweis auf eine Versichertenbefragung für den Verband zu Wort.

„Aktuell“, so Stoff-Ahnis, sei allerdings annähernd jeder dritte Bundesbürger (30 Prozent) unzufrieden mit den fachärztlichen Terminwartezeiten. Freilich: Die Abfrage datiert auf das Frühjahr 2025. Befragt wurden zwischen Ende Februar und Ende März 3.520 gesetzlich Versicherte.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) konterte mit dem Verweis auf eine Evaluation der Arbeit der Terminservicestellen (116 117) im Jahr 2023. Demnach könne ein Facharzttermin im Schnitt schon binnen zwölf Tagen nach der Erstanfrage vermittelt werden, sagte KBV-Chef Dr. Andreas Gassen der Ärzte Zeitung am Montag. Notfälle kämen natürlich sofort dran.

KBV kontert: Termin binnen zwölf Tagen

Außerdem dürfe in der Diskussion nicht unter den Tisch gekehrt werden, dass im fachärztlichen Bereich im Jahr mehr als 40 Millionen Termine unvergütet blieben. „Jedwede auf Wartezeitenverkürzung abzielende Maßnahme muss zuerst diesem Umstand Rechnung tragen und dafür sorgen, dass die offenbar von allen als unverzichtbar eingestuften Facharztbesuche auch vergütet werden.

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Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat für dieses Jahr einen Gesetzentwurf für ein verbindliches Primärarztsystem angekündigt. Patienten müssten dann für eine Überweisung zum Facharzt zuerst einen Hausarzt konsultieren.

Im Gegenzug soll eine „Termingarantie“ eingeführt werden. Zudem kusieren seit geraumer Zeit Überlegungen im politischen Raum, eine Facharztgebühr zu erheben – und zwar bei Patienten, die ohne Überweisung direkt eine Facharztpraxis aufsuchen.

Vermeintlich oder tatsächlich lange Facharzt-Wartezeiten werden seit Jahren in kontrovers diskutiert. 2019 hatte die Politik mit der Neupatientenregelung und einer extrabudgetären Vergütung für erstmals in der Praxis oder nach langer Pause behandelte Patienten reagiert. Die Regelung wurde 2023 mit dem GKV-Finanzstabilisierungsgesetz jedoch wieder abgeschafft, um bei den Honoraren zu sparen.

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Etwas besser sieht es laut GKV-Umfrage bei den Wartezeiten auf Termine in den Praxen der Hausärztinnen und Hausärzten aus. Gut die Hälfte der Befragten (51 Prozent) empfinden die hausärztlichen Wartezeiten als „genau meinen Wünschen entsprechend“. 35 Prozent sprechen von „noch akzeptablen“ Wartezeiten, 14 Prozent zeigen sich unzufrieden damit.

Termine: Ruf nach tagesaktuellem Onlineportal

Stoff-Ahnis betonte, angesichts der hohen Inanspruchnahme von Arztpraxen und des demografischen Wandels, der auch die Ärzteschaft betreffe, sei eine „schnelle und zielgerichtete“ Patientensteuerung unverzichtbar. Digitale Angebote könnten hier einen wichtigen Beitrag leisten.

Konkret schlägt der GKV-Spitzenverband eine Gesetzesregelung für ein tagesaktuelles Onlineportal vor: Auf diesem sollen Praxen einen noch zu bestimmenden Anteil ihrer Termine für gesetzlich Versicherte bereitstellen. Ein solches Angebot bringe „mehr Transparenz über Terminoptionen“, so Stoff-Ahnis.

Beier: Vollkommen unrealistische Vorstellung

Der Co-Bundesvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes (HÄV), Dr. Markus Beier, gestand auf Anfrage der Ärzte Zeitung ein: „Unstrittig ist: Die Terminproblematik wächst in einigen Fachgebieten und wir brauchen dafür tragfähige Lösungen.“ Jetzt aber so zu tun, als würde ein Terminportal spürbar mehr Versorgungskapazitäten in den Facharztpraxen herbeizaubern, sei „vollkommen unrealistisch“.

Entscheidend sei, dass diejenigen zeitnah behandelt werden, für die ein schneller Termin medizinisch erforderlich sei, so Beier. Weitsicht beim Thema Patientensteuerung zeige, wer auf die Hausarztpraxen setze.

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KBV-Chef Gassen betonte, eine Terminplattform müsse Patienten bei der freien Wahl eines Arztes oder Psychotherapeuten unterstützen. „Diese freie Wahl darf nicht zugunsten zentraler Planungs- und Überwachungsfantasien geopfert werden.“ Bei Arztterminen handele es sich nicht nur um ein Datum im Kalender wie beim Friseurtermin, sondern um die „Koordination von Versorgung“.

Daher brauche es hier auch mehr Verbindlichkeit für alle Beteiligten. „Wegen der teilweise hohen No-Show-Rate müsste eigentlich jeder gebuchte GKV-Termin automatisch eine Vergütung auslösen“, forderte Gassen. (hom)

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Kommentare
Dr.med. Franz H. Müsch 05.01.202620:23 Uhr

"Facharzttermine" für ca. 44 000 000 "Vollarbeiter" mit ca. 6 (sechs) Berufskrankheiten-Todesfällen tagtäglich
gibt es hierzulande angesichts von mehr als N = 80 Berufskrankheiten-Entitäten (Anlage 1 BKV) gar nicht: Wegen fehlender K B V-Zulassung für das Fachgebiet "ARBEITSMEDIZIN" (Niederlassungsfreiheit ?) gibt es für Berufskrankheiten-Opfer hierzulande also leider gar keine freie Arztwahl !
https://www.gesetze-im-internet.de/bkv/anlage_1.html
Müsch, Arbeitsmed. Berufskrankheiten-Gutachter

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