Berufspolitik

Misshandelte Kinder sollen bei "Trauma first" Hilfe finden

HALLE (zie). Etwa 700 Kinder werden in Sachsen-Anhalt Jahr für Jahr Opfer von Misshandlungen, Vernachlässigungen oder sexuellem Missbrauch. "Trauma first” - ein deutschlandweit einmaliges Versorgungsangebot - will helfen.

Veröffentlicht: 13.05.2008, 17:22 Uhr
Misshandelte Kinder sollen bei "Trauma first" Hilfe finden

Mit den Folgen von Misshandlung leben zu lernen, ist das Ziel von "Trauma first"..

© Foto: imago

Initiatorin ist die in Halle niedergelassene Psychologin Dr. Sabine Ahrens-Eippner, die das Konzept gemeinsam mit der Sozialpädagogin Katrin Nelius entwickelt hat. Das Angebot richtet sich an Kinder ab zwei Jahre, kann aber auch von jungen Frauen bis zum Alter von 27 Jahren in Anspruch genommen werden. Ahrens-Eippner: "Kinder, die Misshandlungen, Missbrauch oder andere Traumata erlebt haben, leiden häufig unter Albträumen, Ängsten, Schlafstörungen. Bei uns sollen sie wieder Mut, ein Selbstwertgefühl und Lebensfreude finden sowie die Schrecken der Vergangenheit verarbeiten."

Das multiprofessionelle Team um Dr. Ahrens-Eippner setzt auf eine Gruppentherapie. Eigens dazu wurde die Praxis umgestaltet. Bunte Farben prägen jeden einzelnen Raum. Es gibt eine Kletterwand und auch ein stattliches Holzschiff, das die großen und kleinen Patienten zur Insel der Albträume fährt, wo die bösen Träume für immer bleiben sollen.

Zum Konzept gehört, die Familie in die Behandlung zu integrieren sowie eine kinderärztliche Untersuchung in jedem Quartal. Ahrens-Eippner: "Die Psychotherapie von traumatisierten Kindern steckt noch in den Kinderschuhen. Bislang gibt es keine wissenschaftlich evaluierten Behandlungsansätze. Das wollen wir jetzt ändern.”

Vertragspartner der Praxis für psychologische Psychotherapie sind die KV sowie die Techniker Krankenkasse. Jens Hennicke, Leiter der TK-Landesvertretung: "Bisher sind betroffene Kinder gar nicht oder stationär behandelt worden, aber wenn Kinder und Jugendliche ambulant professionelle Hilfe erhalten, ist es leichter, sie schneller und besser in ihr soziales Umfeld zu integrieren.”

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