Thüringen

Notdienstmuffel sollen zahlen

Die KV Thüringen will mehr innerärztliche Gerechtigkeit beim Bereitschaftsdienst außerhalb der Praxiszeiten.

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ERFURT. Die KV Thüringen (KVT) greift auf der Dauerbaustelle Notdienst zu härteren Bandagen. Springen für den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst eingeteilte Mediziner plötzlich und unerwartet ab, werden sie zur Kasse gebeten.

Nach der von der Vertreterversammlung geänderten Notdienstordnung müssen sie für den mit der Absage und Umorganisation des Bereitschaftsdienstes verbundenen Aufwand eine Ausgleichszahlung von 500 Euro leisten.

Die Summe wird demjenigen Arzt gutgeschrieben, der kurzfristig einspringt und die Vertretung übernimmt. Hintergrund sind immer wieder auftretende Probleme beim Notdienst durch plötzliche Absagen, vor allem an Feier- und Brückentagen. Die KV verspricht sich von der Entschädigungslösung Besserung - und mehr Gerechtigkeit bei der Verteilung der Notdienst-Belastungen unter den rund 3200 Haus- und Fachärzten in Thüringen.

Probleme beim Bereitschaftsdienst der Kassenärzte sind in Thüringen nach KV-Einschätzung einer der Gründe, warum viele Patienten beim Notdienst lieber gleich die Notfallaufnahmen der Krankenhäuser aufsuchen.

KV will enger mit Krankenhäusern kooperieren

Der Ansturm auf die Kliniken ist indes kein auf Thüringen begrenztes Phänomen, die Deutsche Krankenhausgesellschaft beklagt regelmäßig, dass der Notdienst der Praxisärzte nicht funktioniere und die Kliniknotfallaufnahmen deshalb überlastet sowie unterfinanziert seien.

In Thüringen will die KV das Problem mit einer engeren Kooperation mit den Krankenhäusern angehen.

Ein derzeit diskutiertes Konzept sieht gemeinsam betriebene ambulante Erstversorgungseinrichtungen vor. Ziel sind weniger Notfall-Krankenhauseinweisungen durch eine bessere Abstimmung des Behandlungsbedarfs bei Notdienst-Patienten.

"Derzeit existieren faktisch drei Notdienst-Systeme nebeneinander, der Rettungsdienst, der kassenärztliche Bereitschaftsdienst und die Notfallaufnahmen der Kliniken", so KV-Hauptgeschäftsführer Sven Auerswald.

Eine Kooperation von KV und Kliniken liefe auf eine Zusammenführung von Notaufnahme und Sitzdienst der KV-Bereitschaftsärzte - oft ohnehin schon an den Kliniken - hinaus.

Sollte es dazu kommen, was die Bereitschaft der Krankenhäuser voraussetzt, wäre der Weg zu einem fusionierten Notdienst noch lang, wie Auerswald den Vertretern erläuterte.

Verschiedene Landesgesetze müssten novelliert werden, auch die Anschubfinanzierung sei noch ein Thema. Die Kassen hätten großes Interesse an einer solchen Lösung, die Meinungsbildung bei der Landeskrankenhausgesellschaft dauere noch an. (zei)

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