Rheinland-Pfalz

Rheinland-pfälzischer KV-Chef Heinz will „kostenlos“ als Unwort

Die missbräuchliche Verwendung des Begriffs suggeriere, für Leistungen entstünden keine Kosten.

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Für mich ist der Begriff ‚kostenlos‘ mein persönliches Unwort des Jahres 2021: Dr. Peter Heinz.

Für mich ist der Begriff ‚kostenlos‘ mein persönliches Unwort des Jahres 2021: Dr. Peter Heinz.

© Stephanie Pilick

Mainz. Der rheinland-pfälzische KV-Chef Dr. Peter Heinz regt an, den Begriff „kostenlos“ zum „Unwort des Jahres“ erklären zu lassen. „Für mich ist der Begriff ‚kostenlos‘ mein persönliches Unwort des Jahres 2021“, sagt der Allgemeinmediziner. Das Adjektiv tauche in unterschiedlichen Kontexten auf, seine Verwendung führe aber meistens in die Irre, so Heinz.

Laut Duden bedeute „kostenlos“, „ohne dass dafür Kosten entstehen; unentgeltlich“. Was im ersten Augenblick verlockend klinge, sei in der Mehrheit der Fälle ein sprachlicher Trugschluss, so der KV-Chef zur Begründung.

Viele „kostenlose“ Angebote

Insbesondere in der Corona-Pandemie habe der Begriff eine inflationäre Verwendung erhalten – von „kostenlosen“ Bürgertests, Schutzimpfungen bis hin zu FFP2-Masken für bestimmte Risikogruppen. In allen diesen Fällen habe der Gesetzgeber erklärt, diese Angebote seien für die Bürger „kostenlos“.

Tatsächlich würden diese Leistungen aus Steuereinnahmen finanziert. „Ich bin der festen Überzeugung, dass sich die gesetzgebende Instanz der Verantwortlichkeit im Hinblick auf ihr sprachliches Handeln bewusst sein sollte, um Fehlanreize zu verhindern“, begründet Heinz seinen Vorschlag.

Doch auch im Berufsalltag von Vertragsärzten ließen sich viele Beispiele für eine irrtümliche Verwendung des Begriffs finden. So gingen viele Patienten davon aus, „sie erhielten medizinische Leistungen im Rahmen der GKV beinahe grenzen- und kostenlos“.

Mitte Januar steht „Unwort“ fest

Aus dem prozentualen Abzug vom Gehalt werde in dieser Wahrnehmung „die Eintrittskarte in ein Flatrate-System der ärztlichen Versorgung“, glaubt Heinz. Die falsche Verwendung des Begriffs habe das Potenzial, „hervorragende Solidarsysteme“ zu beschädigen.

Noch bis Ende dieses Jahres können Vorschläge eingereicht werden. Mit der Aktion „Unwort des Jahres“ soll ein „sprachkritischer Blick auf Wörter und Formulierungen in allen Feldern der öffentlichen Kommunikation (gelenkt werden), die gegen sachliche Angemessenheit oder Humanität verstoßen“. Mitte Januar 2022 wird die Jury das „Unwort“ des Jahres 2021 bekannt geben. (eb)

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