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Saarland

Schluss mit 220 Nachtdienste für fünf Ärzte

Niedergelassenen Ärzten im Saarland steht eine umfassende Reform des Bereitschaftsdienstes bevor. Dabei sollen 52 Notdienstringe zu 13 zusammengefasst werden. Knackpunkt: Die Umlage könnte auf monatlich 100 Euro steigen.

Andreas KindelVon Andreas Kindel Veröffentlicht:
Beim Start der Reform soll der neue Notruf 116 117 landesweit im Saarland eingeführt sein.

Beim Start der Reform soll der neue Notruf 116 117 landesweit im Saarland eingeführt sein.

© Patrick Pleul / dpa

SAARBRÜCKEN. Den Vertragsärzten im Saarland steht eine tiefgreifende Reform ihres nächtlichen Bereitschaftsdienstes an Wochentagen bevor. Die KV-Spitze will die landesweit 52 Notdienstringe auf 13 zusammenfassen. Die Folgen: Eine höhere Umlage, längere Fahrwege, aber auch weniger Dienste.

Großer Pluspunkt der Reform soll die Verringerung der Nachtdienste sein. In Extrem-Bezirken müssen sich derzeit nur fünf Kollegen die pro Jahr rund 220 Nachtdienste an Wochentagen teilen, die nach der Notfalldienstordnung von Kammer und KV bisher "kollegialer ärztlicher Hintergrunddienst" heißen.

Künftig, so verspricht die KV-Spitze, sollen es jährlich nur noch etwa drei bis sechs Dienste sein.

Anlass der Reform ist die Altersentwicklung bei den Ärzten an der Saar. "Die Demografie greift jetzt bei uns", sagte der stellvertretende KV-Vorsitzende Dr. Joachim Meiser der "Ärzte Zeitung".

In einigen Bezirken sei die Hälfte der Kollegen schon über 60 Jahre alt. "Die wollen gern weniger Notdienste machen", erläuterte Meiser. Auch Neulinge würden Bezirke meiden, in denen viele Nachtdienste anfallen.

"Sitzdienst" noch in der Diskussion

Vorbild für die Reform ist der Notdienst an Wochenenden und Feiertagen, der schon jetzt zentralisiert ist und an rund ein Dutzend Bereitschaftsdienstpraxen im Saarland stattfindet.

Montags, dienstags und donnerstags soll der Bereitschaftsdienst künftig von 18 bis 8 Uhr, mittwochs und freitags von 13 bis 8 Uhr dauern. Es soll einen Arzt im Fahrdienst geben.

Ob es zusätzlich einen "Sitzdienst" in einer Anlaufpraxis geben wird, ist noch in der Diskussion. Diskutiert wird auch noch darüber, ob es zur Unterstützung eine nicht-ärztliche Kraft gibt.

Falls ja, so erläuterte Meiser, werde sie aber den Sitzdienst unterstützen. Der Arzt im Fahrdienst müsse weiter allein raus.

Im Mittelpunkt der Reform steht die Schaffung größerer Bereitschaftsdienstbezirke. In Neunkirchen werden voraussichtlich gleich vier Notdienstringe zu einem zusammengelegt.

"Wir streben aber an, dass die Fahrzeit bei unter 30 Minuten bleibt", hat Meiser bereits die besorgten Gemüter an der Ärzte-Basis beruhigt.

Die KV geht vor allem davon aus, dass den Ärzten künftig viele unnötige Anrufe in der Nacht erspart bleiben. Denn mit Beginn der Reform soll der neue Notruf "116 117" bereits landesweit im Saarland eingeführt sein.

Dann geht der Anruf zunächst an die Rettungs-Leitstelle, die entscheidet, ob der ärztliche Bereitschaftsdienst, ein Rettungswagen oder gar keiner rausgeschickt werden muss.

Die neue Notrufnummer wird schon seit zwei Jahren in einem Modellversuch in Merzig erprobt. Dabei haben die Kassenärzte durchweg gute Erfahrungen gemacht. "Dort hat sich die Zahl der Anrufe für die Kollegen tatsächlich halbiert", berichtete Meiser.

Nächtliche Anfragen nach der diensthabenden Apotheke oder dem Tierarzt habe die Leitstelle gleich herausgefiltert.

"Teurer wird es auf jeden Fall"

Die Bereitschaftsdienste an Wochentagen sollen ähnlich wie an Wochenenden bezahlt werden. Geplant ist ein umsatzorientiertes Honorar, aber auf jeden Fall ein Mindest-Betrag.

Die Höhe ist noch offen. An Wochenenden liegt das Mindest-Honorar nach KV-Angaben derzeit zwischen 600 und 800 Euro.

Dafür steigt aber auch die monatliche Umlage für die Ärzte. "Es wird auf jeden Fall teurer", kündigte KV-Vize Meiser an. Die Umlage könnte von derzeit 75 Euro pro Monat auf rund 100 Euro steigen.

Entschieden sei aber noch nichts. "Das hängt davon ab, wie viel wir uns leisten wollen", so Meiser. Die Gesamtkosten für den ärztlichen Bereitschaftsdienst beziffert die KV auf rund sechs Millionen Euro.

Etwa ein Drittel davon seien Infrastruktur-Kosten, der Rest das Honorar. Nach den Sommerferien will die KV-Spitze auf einer großen Veranstaltung mit der Ärzte-Basis über die Reformpläne diskutieren. Im Laufe des nächsten Jahres soll die Reform dann in Kraft treten.

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