Berufspolitik

Schwule und Lesben kritisieren Kongress von Psychotherapeuten

Ein internationaler Kongress für Psychotherapie und Seelsorge in Marburg sorgt unter Homosexuellen für Aufregung: Sie werfen ihm Homophobie vor.

Von Gesa Coordes Veröffentlicht:
Homosexuelle sehen sich diskriminiert.

Homosexuelle sehen sich diskriminiert.

© Foto: Diana Lundinwww.fotolia.de

In der Unistadt Marburg machen Grüne, Homosexuelle, Studierende, Junge Liberale und andere Gruppen Front gegen eine Tagung zu Psychotherapie und Seelsorge. Sie werfen zwei Referenten des Kongresses, der in der Zeit vom 20. bis 24. Mai rund 1000 Teilnehmer erwartet, Homophobie vor. Nach Überzeugung des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD) wollen sie "Homosexuelle zu Heterosexuellen therapieren".

Im Zentrum der Kritik stehen Markus Hoffmann und Dr. Christl Ruth Vonholdt. Hoffmann ist Vorsitzender des Vereins "wuestenstrom" - nach Überzeugung des LSVD eine "Umpolungsorganisation". Die Kinderärztin Vonholdt arbeitet für das "Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft". In ihren Publikationen behauptet sie, dass einiges dafür spreche, dass Homosexuelle häufiger Minderjährige sexuell belästigten als Heteros.

Die Landesmitgliederversammlung der hessischen Grünen sowie der LSVD fordern die Uni und die Stadt Marburg auf, sich von "Umpolungsangeboten" zu distanzieren. Der Veranstalter des Kongresses, die "Akademie für Psychotherapie und Seelsorge", sei bekannt dafür, homophobe Angebote zu unterstützen.

Die Grünen sprechen von Umpolungsangeboten.

Die Marburger Philipps-Universität sieht das anders. Bereits in der Vergangenheit habe die Akademie Hochschulräume gemietet, sagte Uni-Sprecherin Viola Düwert. Das seien "völlig neutrale Veranstaltungen" gewesen. In den strittigen Referenten sieht Düwert nur eine kleine Minderheit. Der Kongress insgesamt ziele nicht darauf ab, Schwule umzupolen.

Veranstalter Dr. Martin Grabe kann die Diskussion um die beiden Referenten nicht verstehen. Zum einen gehe es bei dem Kongress um das Thema "Identität - der rote Faden in meinem Leben". Homosexualität werde höchstens am Rande thematisiert. Zum anderen handele es sich um "eine Gesprächsplattform, um Therapeuten und Seelsorger aller Konfessionen ins Gespräch zu bringen". Grabe, der gleichzeitig Chefarzt der Abteilung für Psychotherapie an der Klinik Hohe Mark in Oberursel ist, betont, dass "zu jedem heißen Thema" das ganze Spektrum der kirchlichen Diskussion vertreten sei. "Wir möchten nicht, dass Leuten von vornherein der Mund verboten wird. Unser Ziel ist es, divergierende Meinungen an einen Tisch zu bekommen."

Homosexuelle finden sich allerdings nicht unter den Vortragenden. Die "Akademie für Psychotherapie und Seelsorge" hat 500 Mitglieder und gilt als Organisation der Evangelikalen. Unter dem Titel "Kein Raum für Sexismus, Homophobie und religiösen Fundamentalismus" hat sich ein Bündnis gegründet, das Aktionen gegen den Kongress vorbereitet. Auch der Präsident der Fachhochschule Frankfurt, Dr. Detlef Buchholz, hat Stadt und Uni aufgefordert, keine Räume für die Veranstaltung zur Verfügung zu stellen und sich von "homophoben Tendenzen" zu distanzieren. Der Marburger Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) hingegen sieht keinen Grund, die Tagung zu verbieten. Von den strittigen Referenten hat er sich distanziert.

Unterdessen hat sich eine Gegeninitiative gebildet. Sie wirft Schwulenverbänden und Grünen "mediales Mobbing" und einen "Angriff auf fundamentale Freiheitsrechte" vor. Gleichzeitig behauptet die Initiative, dass Homosexualität ein gesundheitliches und psychisches Risiko berge. Zu den Unterzeichnern der Initiative zählen der Salzburger Weihbischof Andreas Laun sowie der CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis.

Was Marburg während der Tagung erwarten kann, zeigt das Beispiel des "Christivals" 2008. Obwohl strittige Seminare während des evangelikalen Jugendtreffens in Bremen abgesetzt wurden, gab es teils gewalttätige Proteste.

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