Bayern

Söder bringt Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen ins Spiel

Zuletzt hatte die Staatsregierung in Bayern gewisse Corona-Beschränkungen gelockert. Doch weil vor allem in München die Neuinfektionszahlen viel zu hoch sind, muss nun wieder gegengesteuert werden.

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Ministerpräsident Söder erwägt eine Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen an bayerischen Corona-Hotspots.

Ministerpräsident Söder erwägt eine Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen an bayerischen Corona-Hotspots.

© Sven Hoppe / dpa

München. In München wird es eine Maskenpflicht auf bestimmten öffentlichen Plätzen geben – und zwar am Marienplatz, dem Viktualienmarkt und in der kompletten Fußgängerzone der Altstadt. Außer für die Landeshauptstadt Bayerns stellt Ministerpräsident Markus Söder (CSU) stellt dies angesichts hoher Neuinfektionszahlen auch für andere Corona-Hotspots in Bayern in Aussicht. Dem Vernehmen nach will das Kabinett eine entsprechende Vorschrift für alle Kommunen beschließen, in denen die Neuinfektionszahl bei mehr als 50 Fällen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen liegt.

Er sei sehr dafür, auf öffentlichen Plätzen, „wo kein Abstandhalten möglich ist oder gewollt ist“, eine Maskenpflicht einzuführen, so der CSU-Vorsitzende am Montagmorgen im Bayerischen Rundfunk. Dann könnten auch die Ordnungsbehörden entsprechend reagieren. Man werde darüber am Montag noch einmal mit der Stadt beraten – doch Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sei da „auf unserer Seite“.

Am Mittag dann der Beschluss einer Sitzung des Krisenstabes der Stadt München: Für einzelne stark besuchte Orte wie den Marienplatz und den Viktualienmarkt wird die Maskenpflicht angeordnet. Zudem führt die Stadt nach einem ZDF-Bericht wieder Beschränkungen im öffentlichen und privaten Leben ein. Ab Donnerstag dürften sich demnach in der bayerischen Landeshauptstadt nur noch fünf Personen treffen oder zwei Haushalte. Das gelte sowohl im privaten und öffentlichen Raum als auch in der Gastronomie.

„Verstörende Bilder“ vom Viktualienmarkt

Gäste sitzen in einem Biergarten auf dem Viktualienmarkt. Normalerweise wäre am 19.09.2020 auf der Theresienwiese das größte Volksfest der Welt eröffnet worden.

Gäste sitzen in einem Biergarten auf dem Viktualienmarkt. Normalerweise wäre am 19.09.2020 auf der Theresienwiese das größte Volksfest der Welt eröffnet worden.

© Felix Hörhager/dpa

Er habe sehr gemischte Gefühle, hatte Söder zuvor mit Blick auf Fotos von gewissen Wiesn-Ersatzfeiern am Wochenende in München berichtet. „Die Bilder vom Viktualienmarkt, die waren schon verstörend“, kritisierte er. Fotos zeigten Menschen dort dicht gedrängt, ohne Abstand und ohne Maske. „Ich will keinem die Freude nehmen“, betonte der Ministerpräsident. „Aber Freude und Vernunft sollten besser zusammenkommen.“ Man müsse nun reagieren, um die Corona-Zahlen wieder unter 50 je 100.000 Einwohner zu bekommen.

Ungeachtet der wieder gestiegenen Corona-Zahlen in vielen Kommunen hatte die Staatsregierung zuletzt noch an einem weiteren Lockerungsschritt festgehalten: Seit Samstag dürfen auch Bars und Kneipen wieder öffnen – wenn auch nur unter bestimmten Auflagen. Söder betonte, Sorgen bereiteten ihm nicht professionell organisierte Veranstaltungen. „Das Problem sind die privaten Feiern.“

Bundeswehr soll aushelfen

Am Sonntag hatten die Corona-Zahlen in München den Wert von 55,6 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner in einer Woche erreicht. Söder sprach in diesem Zusammenhang von starkem Leichtsinn einiger. Er kündigte an, die Bundeswehr solle in München nun das Gesundheitsamt personell unterstützen. „Wir werden die Bundeswehr bitten, 100 Leute zur Verfügung zu stellen, um die Nachverfolgung zu verbessern.“

Angesichts des bevorstehenden Supercup-Spiels zwischen dem FC Bayern München und dem FC Sevilla im Corona-Risikogebiet Budapest kündigte Söder zudem schärfere Quarantäneregeln mit Blick auf zurückkehrende Fans an.

Zudem will Söder erneut die Ministerpräsidentenkonferenz zusammenrufen. Er wolle dazu in dieser Woche mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sprechen, sagte der CSU-Chef nach Angaben von Teilnehmern am Montag in einer Sitzung des CSU-Vorstands in München. Die Konferenz der Länderchefs könnte dann in der kommenden oder in der übernächsten Woche stattfinden.

Unterstützung von Lauterbach

Unterstützung erhielt Söder vom SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach. „An Plätzen wie dem Stachus in München, der Hasenheide in Berlin oder dem Brüsseler Platz in Köln ist das Infektionsrisiko hoch“, sagte er der „Saarbrücker Zeitung“. An solchen öffentlichen Plätzen könnten die Abstände nicht eingehalten werden, und es werde laut gesprochen. „Und wenn man laut spricht und ist infektiös, überträgt man per Tröpfchen das Virus.“ (dpa)

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