Baden-Württemberg

Südwest-KV warnt vor Bürgerversicherung

Der KV-Vorstand sichtet Parteiprogramme – und beklagt Reformpläne zu Lasten von Ärzten.

Von Florian StaeckFlorian Staeck Veröffentlicht: 22.05.2017, 07:47 Uhr

STUTTGART. Niedergelassene Ärzte sind im Wahljahr "tief verunsichert" durch die Diskussion über eine Bürgerversicherung und eine einheitliche Gebührenordnung, sagte Baden-Württemberg KV-Chef Dr. Norbert Metke bei der Vertreterversammlung (VV) am Mittwoch in Stuttgart. "Wir wollen Sicherheit und Perspektive für unsere Existenzen", forderte Metke.

Allein aus GKV-Honoraren lasse sich die Daseinsvorsorge der ambulanten Versorgung – von wenigen Ausnahmen abgesehen – nicht stemmen, meinte der KV-Chef. Nicht vergessen werden dürfe dabei der Reformbedarf in der Privaten Krankenversicherung, mahnte Metke. Die Diskussion über einen einheitlichen Krankenversicherungsmarkt sei auch die Reaktion auf interne Probleme in der PKV-Branche.

Metke stellte den Vertretern die Reformansätze der einzelnen Parteien vor und konstatierte: "Eine fast parteienübergreifende Diskussion um andere Einnahmen- und Ausgabenstrukturen hat begonnen." Zugleich beobachte er, dass in allen Parteiprogrammen die Mitverantwortung der Patienten ausgespart werde. "Schade, dass man keinen Mut hat und Lösungen ausschließlich auf dem Rücken der ‚Leistungserbringer‘ andenkt", bedauerte Metke.Die Privatärztlichen Verrechnungsstellen (PVS) haben jüngst die Umsatz- und Gewinneinbußen einer Abschaffung der PKV auf sechs Milliarden Euro pro Jahr beziffert.

Die Vertreterversammlung lehnte am Mittwoch in einer Entschließung die Einführung einer Bürgerversicherung ab. Eine Abschaffung der PKV würde insbesondere spezialisierte Facharztpraxen treffen, hieß es.

KV-Vorstandsvize Dr. Johannes Fechner verwies unterdessen in der VV auf große Probleme bei der Substitutionsversorgung im Südwesten. Das Durchschnittsalter der dort tätigen Ärzte liege bei 60,2 Jahre. Zudem habe die Zahl der Substitutionsärzte seit 2005 von landesweit 320 auf 232 abgenommen. Im gleichen Zeitraum stieg hingegen die Zahl der Patienten um fast 2000 auf zuletzt 9570. Problematisch, so Fechner, sei auch die rechtlich ungeklärte Substitution in Heimen.

Nachholbedarf sieht der KV-Vize auf drei Feldern: Erstens sollte die Vergütung bei der Konsiliarregelung pauschaliert werden. Zweitens sollten therapeutische Gespräche (GOP 01952) häufiger abrechenbar sein. Drittens warb Fechner für ein Pauschalhonorar pro Woche im Falle von Take-Home-Patienten. Diese Pauschale sollte unabhängig von der Dauer der eigenverantwortlichen Einnahme zu Hause sein, um den speziellen Betreuungsbedarf zu honorieren.

Mehr zum Thema

Gesetzentwurf

Neue Paragrafen zur Notfallreform befeuern Kompetenz-Gerangel

„ÄrzteTag“-Podcast

Was Ärzte an der Corona-Strategie der Regierung stört

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Die KBV soll bundesweit einheitliche Vorgaben und Qualitätsanforderungen zur Durchführung einer qualifizierten und standardisierten Ersteinschätzung in den Notfallambulanzen der Krankenhäuser aufstellen, heißt es in einem Gesetzentwurf.

Gesetzentwurf

Neue Paragrafen zur Notfallreform befeuern Kompetenz-Gerangel

Bestimmte Nahrungsmittel, zum Beispiel Lachs, Leinöl, Rosenkohl, Walnüsse und Avocado sind reich an Omega-3-Fettsäuren.

Studie

Viel Omega-3 könnte Herzinfarkt-Patienten helfen

Zu Beginn der Sitzung des Bundestags steht Bundeskanzlerin Angela Merkel mit einer Mund-Nasenbedeckung vor Abgeordneten der Fraktionen. In ihrer Regierungserklärung bezeichnet sie die Corona-Lage in Deutschland als „dramatisch“.

November-Maßnahmen

Merkel: Zweiter Corona-Lockdown ist verhältnismäßig