Berufspolitik

Trotz aller Anstrengungen kehren junge Ärzte Sachsen-Anhalt den Rücken

Viele Ärzte sind über 60 und die Jungen sehen in Sachsen-Anhalt offenbar keine Perspektive. Der Ärztemangel stellt das Land vor große Probleme.

Von Petra Zieler Veröffentlicht:

MAGDEBURG. Mit insgesamt 8133 berufstätigen Ärzten verzeichnete Sachsen-Anhalt im vergangenen Jahr erstmals wieder ein Plus. Im Vergleich zu 2008 arbeiten im Land 43 Ärzte mehr, im Vergleich zu 2007 nur 17.

Allerdings ist der Trend im ambulanten Bereich weiter rückläufig: Waren 2007 noch 3291 Ärzte in Praxen tätig, sank deren Zahl im vergangenen Jahr auf 3275. Eine Änderung ist hier wohl kaum in Sicht. Mehr als 600 Ärzte aus dem ambulanten Bereich sind nach Angaben des Vorstandes der KV Sachsen-Anhalt 60 Jahre und älter. 340 von ihnen sind Hausärzte.

Sachsen-Anhalts Ärztekammerchef Dr. Henning Friebel nennt die Situation dramatisch, zumal dem Land bereits heute 243 Hausärzte fehlen. Hinzu kommt, dass der Anteil der unter 40-Jährigen sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich stetig sinkt. "In der jüngeren Altersgruppe verzeichnen wir einen Rückgang von 339 Ärzten, die dem Land einfach fehlen", so Friebel. "Wenn wir nicht intensiver bei der Ausbildung junger Mediziner ansetzen, wird die Lücke immer größer." Einen Lichtblick gebe es aber: Nach jahrelangem Reden stünden laut Landesgesundheitsminister Norbert Bischoff die Vorbereitungen für ein Landes-Stipendienprogramm für angehende Mediziner vor dem Abschluss. Der Start könnte noch in diesem Jahr erfolgen. Studierende, die sich zu einer Niederlassung in Sachsen-Anhalt verpflichten, sollen demnach eine besondere finanzielle Unterstützung während des Studiums erhalten.

Darüber hinaus bemüht sich die bei der Ärztekammer angesiedelte Koordinierungsstelle für Weiterbildung in der Allgemeinmedizin seit 2008 um entsprechende Vereinbarungen mit interessierten Krankenhäusern, Praxen und Weiterbildungsassistenten. Als zentrale Anlaufstelle will sie angehende Hausärzte während ihrer gesamten Weiterbildungszeit bis zur Facharztprüfung begleiten und beraten. Interessierten solle zugleich die anstrengende Suche nach geeigneten Weiterbildungsstellen erspart bleiben.

Der Erfolg ist bislang allerdings eher mäßig. Bis jetzt gibt es erst drei Vertragsabschlüsse mit Weiterbildungsassistenten. Friebel: "Noch wandern zu viele Medizinstudenten in berufsfremde Fächer ab. Deshalb werden wir in kommender Zeit noch aktiver für eine Arbeit am Patienten werben." Immerhin sei ein Drittel der Studienabgänger im nicht kurativen Bereich tätig.

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