DEGAM-Kongress
Verbindlichkeit eines Primärversorgungssystems: „Das muss sich die Politik auch mal trauen“
Zum Auftakt des eigenen Kongresses setzt die DEGAM Leitplanken, wie in Zukunft ein Primärversorgungssystem funktionieren könnte. 80 bis 90 Prozent der Fälle könnten abschließend in Hausarztpraxen behandelt werden, postulierte Kongresspräsidentin Eva Hummers. Eine Voraussetzung dafür wäre Verbindlichkeit des Systems.
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Eine Präsidentin (Eva Hummers, r.) und ein Präsident (Christian Apfelbacher, l.) bei der Eröffnungs-PK des Kongresses „Gesundheit gestalten – Gemeinsam gesellschaftlichen Herausforderungen begegnen“ in Göttingen.
© ger / Ärzte Zeitung
Göttingen. Wenn Deutschland ein Primärversorgungssystem kommen soll, dann muss es umfassende Änderungen im Gesundheitswesen geben. „Wenn man nur ein Etikett draufklebt, aber eigentlich nicht viel ändern will, dann bringt das gar nichts“, sagte Kongresspräsidentin Professorin Eva Hummers bei der Eröffnungs-Pressekonferenz zum Kongress „Gesundheit gestalten – Gemeinsam gesellschaftlichen Herausforderungen begegnen“.
Vor allem forderte Hummers, die zugleich Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) ist, eine „gewisse Verbindlichkeit“ für die Primärversorgung ein. „Die Verkehrswege durch das Gesundheitssystem müssen geregelt sein.“ Es müsse Vorgaben für die Einschreibung bei einem Hausarzt geben oder auch finanzielle Incentives. Hummers: „Das muss sich die Politik auch mal trauen.“
Vor allem dürfe das System nicht zu viele Ausnahmen zulassen, fuhr Hummers fort: „Fast jede Fachgesellschaft sagt jetzt, ‚Wir sind die Ausnahme und können auch primärärztlich tätig sein‘ – so wird das System zu löcherig.“
Vier Fachgesellschaften, ein Kongress
In diesem Jahr veranstaltet die DEGAM ihren Jahreskongress zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), dem Netzwerk Evidenzbasierte Medizin und der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) auf dem Campus der Universität in Göttingen. 1.700 Besucher werden zum Kongress erwartet, berichtete Hummers bei der Pressekonferenz.
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Professor Christian Apfelbacher, Kongresspräsident für die DGSMP, betonte bei der Pressekonferenz die Bedeutung der Prävention, die aber „über das ärztliche System hinausgedacht werden muss“. Der Kongress solle daher auch Impulse geben, die Verhältnisprävention zu stärken. Apfelbacher bedauerte, dass die Mittel des Paktes für den Öffentlichen Gesundheitsdienst jetzt ausliefen.
Mit Kopfschmerzen gleich zum Neurologen?
Hummers sieht die Rolle der Hausärztinnen und Hausärzte in einem Primärversorgungssystem „aufgewertet“. Die Unsicherheit der Patientinnen und Patienten gelte es, durch gute Kommunikation anzugehen: Bisher herrsche manchmal das Gefühl vor, „bei Kopfschmerzen gehen Sie lieber gleich zum Neurologen“. Dabei könnten 80 bis 90 Prozent der Fälle abschließend in der Hausarztpraxis behandelt werden, so Hummers.
Es müssten dann aber auch definierte Versorgungspfade und Schnittstellen zur fachärztlichen Versorgung vorgegeben werden. Apfelbacher und Hummers forderten einen „Schulterschluss“ der Fachgruppen, um aus der Konkurrenzsituation herauszukommen.
Nachfrage nach PJ-Plätzen für Allgemeinmedizin steigt
Das Diktum, Hausarztmedizin sei „Medizin mit zwei gelben Zetteln – AU und Überweisungsschein“, gelte schon lange nicht mehr. Hausarztmedizin sei spannend und etwas ganz Anderes als die „hochselektive technische Medizin“ in anderen Fachgruppen, warb die Kongresspräsidentin für ihr Fach.
Hummers äußerte sich bei der Pressekonferenz optimistisch zur Nachwuchssituation bei den Hausärztinnen und Hausärzten. In Niedersachsen habe sich die Anzahl der Nachfragen nach Plätzen für Allgemeinmedizin im Praktischen Jahr „fast verdoppelt, das hat den Rahmen gesprengt“, sagte die DEGAM-Präsidentin. (ger)


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